HISTORIENDRAMA„Die Königin und der Leibarzt“ : Operation Freiheit

Foto: MFA/Die Filmagentinnen
Foto: MFA/Die Filmagentinnen

Ein langsam in den Wahnsinn abdriftender Monarch, ein bürgerlicher Außenseiter, der sich in der spätabsolutistischen Adelswelt zum Reformer, beinahe zum Revolutionär aufschwingt, und eine verbotene Liebe, die im Blut endet. Die Geschichte um Johann Friedrich Struensee hat alles, was ein Melodram braucht, deshalb gehört sie zu den spannendsten Episoden der dänischen Geschichte.

Sie ist in zahlreichen Romanen beschrieben worden, zuletzt in Per Olov Enquists Bestseller „Der Besuch des Leibarztes“, und wurde bereits mehrfach verfilmt, unter anderem im deutschen Nachkriegskostümdrama „Herrscher ohne Krone“ mit O. W. Fischer und Horst Buchholz. Dem Arzt aus dem damals noch dänischen Altona gelang es, als Vertrauter des Königs Christian VII. zwischen 1770 und 1772 quasi zum Regenten aufzusteigen. Scheitern musste er, weil er auch das Herz der Königin Caroline Mathilde eroberte und mit ihr ein Kind zeugte.

Regisseur Nikolaj Arcel konzentriert sich kammerspielartig ganz auf das anfangs harmonische, später brüchig werdende Beziehungsdreieck. Eben noch hatten die Königin (Alicia Vikander) und Struensee (Mads Mikkelsen, rechts) hoch zu Ross über Daseinsfragen disputiert. Sind es nicht die gesellschaftlichen Konventionen, die den Menschen daran hindern, frei zu leben? Da finden sie die Leiche eines Leibeigenen, der von seinem Herrn auf dem „hölzernen Pferd“ zu Tode gefoltert wurde, weil er vielleicht ein paar Äpfel gestohlen hatte. Nein, etwas ist grundsätzlich faul im Staate Dänemark, Rousseaus Credo, der Mensch sei „frei geboren“, gilt in diesem finsteren, noch mittelalterlich anmutenden Land allenfalls für die Elite. Der Leibarzt des Königs, ein Mann der Aufklärung, wird sich daran machen, das zu ändern.

Dass diese Geschichte kein gutes Ende finden wird, weiß der Zuschauer. Denn aufgerollt wird die Affäre aus der Sicht der todkranken Königin, die in der Verbannung ihre Erinnerungen für ihre Kinder aufschreibt. Sie wird sie nicht mehr wiedersehen. Der Film will nicht mehr sein als ein konventionell gebautes Historiendrama, besticht aber durch seine starke Besetzung. Bei der Berlinale wurde Newcomer Mikkel Boe Følsgaard mit dem Silbernen Bären als bester Darsteller ausgezeichnet. Er spielt den König, der keine Hand rührt, als Struensee, seinem ehemaligen Freund, am Ende der Kopf abgeschlagen wird. Beeindruckend. Christian Schröder

DK/S/CZ 2012, 137 Min., R: Nikolaj Arcel,

D: Mads Mikkelsen, Alicia Vikander, Mikkel Boe Følsgaard, David Dencik

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