HISTORIENSPEKTAKEL„Robin Hood“ : Wie es wurde, was es war

Foto: Universal
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Wenn die Invasionsflotte der Franzosen an der Küste Cornwalls landet und die gepanzerten Soldaten aus kastenförmigen Landungsbooten in die Brandung springen, erwartet man jeden Moment Maschinengewehrfeuer – so sehr ähnelt das den D-Day-Szenarien, wie man sie etwa aus Steven Spielbergs „Saving Private Ryan“ kennt.

Doch „Robin Hood“ spielt im ausgehenden 12. Jahrhundert, weshalb die unvorteilhaft geschilderten Eindringlinge vom Kontinent – gibt es eigentlich Untersuchungen zum negativen Franzosenbild in Filmen zur britischen Historie? – zeitgemäß mit einem Pfeilregen empfangen werden. Zwar kennt man derlei opulente Schlachtpanoramen und in rascher Schnittfolge aufblitzende Einzelgefechte zur Genüge. Dennoch sind die furios choreografierten Gemetzel überzeugend, auch wenn Ridley Scott hinter der frappierenden Monumentalität seines eigenen „Königreich der Himmel“ zurückbleibt.

Mit seiner Variante des dutzendfach verfilmten Stoffs liefert Scott das Prequel zur bekannten Saga des Bogenschützen, der als Gesetzloser im Sherwood Forest für eine Umverteilung von oben nach unten sorgt. Hier kehrt der künftige Rächer als Robin Longslide (Russell Crowe) mit dem geschlagenen Kreuzfahrerheer von Richard Löwenherz nach England zurück, wo er sich als Sohn eines verarmten Adligen (eine wunderbare Rolle für Max von Sydow) ausgeben muss und um die Gunst von dessen Tochter Marian (Cate Blanchett) buhlt.

Seine Verwicklung in den Aufstand der britischen Barone, die vom neuen König die Unterzeichnung der späteren Magna Charta fordern, macht ihn zum Staatsfeind. Godfrey, der intrigante Handlanger des Königs, heftet sich an seine Fersen – eine Paraderolle für Mark Strong, der nach seinen sadistischen Schurken in „Sherlock Holmes“ und „Kick- Ass“ langsam aufpassen muss, dass er nicht auf den Klischeebösewicht festgelegt wird.

Russell Crowes physisch intensive Robin-Hood- Interpretation räumt mit Kevin Costners klamaukigem „König der Diebe“ aus dem Jahr 1991 auf. Die überzeugenden Darsteller, wunderschöne Landschaftsaufnahmen und Ridley Scotts Ausstattungsperfektionismus, der ein nicht unbedingt historisch korrektes, aber stimmiges Abbild des Hochmittelalters generiert, retten über die Schwächen der mitunter etwas schleppenden Dramaturgie hinweg. Actionreicher Abenteuerfilm.Jörg Wunder

„Robin Hood“, USA 2010, 148 Min., R: Ridley Scott, D: Russell Crowe, Cate Blanchett, Mark Strong, Max von Sydow, William Hurt

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