Zeitung Heute : Hoch hinaus

Otis produziert am Standort Berlin Aufzugs-Technologie für die ganze Welt

Rainer W. During
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Technik aus Berlin findet sich in den Aufzügen der höchsten Gebäude der Welt, in den 452 Meter hohen Petronas-Towers in Kuala Lumpur, im 492 Meter hohen World Financial Center in Shanghai und auch mit 818 Metern höchstem Gebäude der Welt, dem Burj Dubai. Für den Vorsitzenden der Otis-Geschäftsführung ist Berlin ein idealer Standort. „Man kann auch in Deutschland, in Berlin, noch Hochleistungstechnologie fertigen“, sagt Thomas P. Wagner. In Berlin befindet sich das weltweite Forschungs- und Entwicklungszentrum für elektrische Systeme des globalen Herstellers von Aufzügen und Fahrtreppen.

Bei Otis verbinden sich Traditionen von beiden Seiten des Atlantiks. Elisha Graves Otis erfand in den USA die 1854 erstmals öffentlich demonstrierte Sicherheits-Fangvorrichtung und begründete damit den Aufzugsbau. 25 Jahre später gründete Carl Flohr an der Frankfurter Allee eine Aufzugfabrik und eröffnete bereits 1908 eine Dependance am heutigen Standort. 1910 richtete Otis in der nahen Miraustraße sein erstes Werk außerhalb der Vereinigten Staaten ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten die beiden Unternehmen das erste deutsch-amerikanische Joint-Venture. Flohr-Otis wurde in Deutschland zu einem Begriff, bis 1989 im Zuge der globalen Vereinheitlichung beschlossen wurde, nur noch unter dem Namen Otis zu firmieren. Bereits seit 1975 ist man Teil des US-Technologiekonzerns United Technologies.

Längst werden auf dem rund 51 000 Quadratmeter großen Firmengelände im Berliner Norden keine Aufzugskabinen mehr zusammengeschraubt. In der ältesten, aus dem Jahr 1911 stammenden Halle werden heute High-Tech-Leiterplatten produziert, rund 1,1 Millionen Stück waren es im vergangenen Jahr. Außerdem haben fast 40 000 Antriebsregelungen, mehr als 30 000 komplette Aufzugssteuerungen und über 20 000 Türantriebe im vergangenen Jahr das Berliner Werk verlassen.

„Wir investieren jährlich einen einstelligen Millionenbetrag in Produktion, Forschung und Entwicklung“, sagt Wagner. Energieeffizienz steht heute auch bei Aufzügen und Fahrtreppen im Mittelpunkt. So wurde in Tegel ein regeneratives Antriebssystem entwickelt, das überschüssige Energie aus voll besetzten Abwärts- oder leeren Aufwärtsfahrten in das hausinterne Stromnetz zurückspeist. Und durch die Modernisierung des Antriebs lässt sich der Energieverbrauch alter Aufzugsanlagen halbieren. Gleichzeitig sind die Steuerungselemente so klein, dass auf die früher üblichen Maschinenräume verzichtet werden kann.

Eine weitere Innovation der Berliner Tüftler ist die Zielwahlsteuerung „Compass“. In größeren Gebäuden mit mehreren Anlagen geben die Passagiere bereits bei der Anforderung die Zieletage an. Das System wertet die Wünsche in Echtzeit aus und weist jeweils den Fahrgästen mit gemeinsamem Ziel jeweils einen Aufzug zu. So lassen sich die Stops in jeder einzelnen Etage vermeiden und die Fahrzeiten um bis zu 55 Prozent verkürzen.

Doch auch beim Service geht man neue Wege. In Berlin befindet sich das zentrale Call-Center von Otis für Deutschland. Rund 600 000 Anrufe werden hier jährlich beantwortet. Aufzugskunden können zusätzlich den Elite-Service abonnieren, bei dem rund um die Uhr verfügbare Experten eine Ferndiagnose stellen und, falls ein Schaden so nicht behoben werden kann, einen der 1200 örtlichen Servicetechniker aus einer der rund 100 Serviceniederlassungen mit den Informationen und Ersatzteilen in Marsch setzen.

Rund 750 der deutschlandweit 2600 Otis-Mitarbeiter sind am Standort in Tegel beschäftigt. Dass man nur wenige von ihnen in der Halle sieht, in der die Steuerungsanlagen montiert werden, bringt Wagner nicht aus der Ruhe, ganz im Gegenteil. „Wenn keine Hektik herrscht und man denkt, es ist Mittagspause, dann ist die Fabrik im Fluss“, sagt der Otis-Chef. „Das Know-how unserer Mitarbeiter ist exzellent, die Menschen sind der Hauptfaktor für den Standort Berlin. Perspektivisch geht es wieder nach oben.“

Bevor Wagner 2006 die Leitung von Otis in Deutschland übernahm, war er vier Jahre lang von Moskau aus für die Aktivitäten des Unternehmens in den GUS-Staaten verantwortlich. „Wenn man im Ausland gelebt hat, sieht man die Stadt mit ganz anderen Augen“, sagt Wagner. Berlin sei jung, dynamisch und ziehe kreative Menschen an. „Berlin hat eine große Industriebasis, die es weiter auszubauen gilt.“

www.otis.de

Berlin zieht kreative Menschen an. Das Know-how unserer Mitarbeiter hier in der Stadt ist exzellent, die Menschen sind der Hauptfaktor für den Standort Berlin.“

Thomas P. Wagner,

Geschäftsführer Otis

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