Zeitung Heute : Hoch hinaus

Der Familienkonzern Alpine ist schnell gewachsen – zu schnell?

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Viel wissen selbst die Konkurrenten nicht über Alpine, genauer gesagt über die Alpine Mayreder Baugesellschaft mit beschränkter Haftung aus Salzburg. Dabei legt der Baukonzern aus Österreich nicht nur beim Münchner Stadion Hand an. Alpine mischt auch beim lukrativen MilliardenAuftrag für den Gotthard-Basistunnel mit. Die Konkurrenz weiß erst recht nichts Negatives zu berichten – jedenfalls bisher nicht. Außer dass der Familienkonzern seit Jahren verstärkt im Ausland mitbietet – um der flauen Baukonjunktur im Alpenstaat zu entgehen. Alpine gilt in der Branche eher als unauffällig. „Kein internationaler Spieler“, heißt es.

Alpine ist eine junge Firma. Noch heute sind mehrere Familien die Aktionäre, allen voran die Salzburger Familie Pappas, die ansonsten Mercedes-Autos importiert. Erst 1965 mit einer Hand voll Mitarbeitern gegründet, mischt die Alpine-Gruppe inzwischen im internationalen Geschäft mit. Rund 1,6 Milliarden Euro Bauleistung und über 8000 Mitarbeiter in gesamten Konzern können sich sehen lassen. Selbst Deutschlands Branchenführer Hochtief beschäftigt im Inland kaum mehr Mitarbeiter. Doch Alpine ist ungewöhnlich schnell gewachsen, sagen Branchenexperten. Innerhalb von vier Jahren haben die Österreicher ihr Bauvolumen verdoppelt. Wie der 280-Millionen-Auftrag aus München zustande kam, ist inzwischen bekannt. Vermutlich mit Schmiergeld von 2,8 Millionen Euro stach Alpine 16 Wettbewerber aus. Dabei dachten alle, der außergewöhnliche Entwurf der Basler Architekten Herzog und de Meuron sei ausschlaggebend gewesen.

Alpine selbst gibt sich nach den Korruptionsvorwürfen betroffen. Man habe „keinen wie auch immer gearteten Einfluss auf die Vergabe“ gehabt und könne sich daher nicht erklären, wie die Vorwürfe entstanden sind, verlautete am Mittwoch aus der Firmenzentrale. „Prüft man die Angebotsentwicklung, dann kann eindeutig nachgewiesen werden, dass weder der Auftraggeber geschädigt wurde, noch die Alpine einen überhöhten Preis verlangt hat“, versichert das Generalunternehmen des Müncheners Stadions. fo

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