Zeitung Heute : Hoch hinaus

Zahlreiche Baustellen bestimmen derzeit das Gesicht der westlichen Innenstadt. Vor allem Hotels und Geschäftshäuser entstehen. Doch auch so manches Wahrzeichen wird umgebaut

Cay Dobberke

Der Bau-Boom in der westlichen Innenstadt hält an – besonders in der Umgebung des Kurfürstendamms. Private Investoren planen dort vor allem neue Hotels und Geschäftshäuser, doch auch die öffentliche Hand baut mit. Die auffälligsten Baustellen gibt es am Breitscheidplatz, der mit Blick auf die Fußball-WM 2006 ein neues Gesicht erhalten soll.

Direkt auf dem Platz läuft eine Umgestaltung durch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Unter anderem werden Bodenplatten modernisiert sowie neue Lampen und Sitzbänke installiert. Verschwunden ist das Hochbeet an der Nordseite. Dies hängt mit Bauarbeiten zusammen, die seit Anfang Mai in der angrenzenden Budapester Straße laufen.

Dort hat die Zuschüttung des Autotunnels aus den sechziger Jahren begonnen. Ab Mai 2006 sollen breitere Übergänge den Fußgängern das Überqueren der Budapester Straße zwischen Breitscheidplatz und dem so genannten Zoobogen erleichtern. Den Umbau finanzieren vor allem Anlieger. Die Bauherren zweier geplanter Hochhäuser, Mieter des Europa-Centers und der Eigentümer des Zoobogens zahlen 1,1 Millionen Euro. Das Land Berlin steuert 500 000 Euro bei.

Die bekanntesten Gebäude im Zoobogen sind das „Bikini-Haus“ und das ehemalige Kugelkino, aus dem die ARD-Talkshow „Sabine Christiansen“ gesendet wird. Die Eigentümerfirma Bayerische Immobilien AG will das Gebäude-Ensemble modernisieren – aber erst nach der Fußball-WM, damit keine große Baustelle die Fußballfans aus aller Welt stört. Einen Teil des Projekts bildet ein familienorientiertes Mittelklasse-Hotel, dessen Rückseite an den Zoo grenzen wird. Aus dieser Lage soll eine Besonderheit des Hotels gemacht werden. Der Investor erwägt sogar, dem Zoo einen neuen Eingang zu spendieren.

Ihr Gesicht verändern auch das Europa-Center und das schräg gegenüber liegende Salamander-Haus (siehe nebenstehenden Artikel). Ein paar hundert Meter entfernt bekommt das Neue Ku’damm-Eck einen größeren Nachbarn: An der Ecke Augsburger und Joachimstaler Straße steht ein 17-stöckiges Hochhaus kurz vor der Fertigstellung. Darin will die französische Concorde-Gruppe im Herbst ein Fünf-Sterne-Hotel mit 311 Zimmern eröffnen. Bauherr ist die Firma Grothe, die auch das Neue Ku’damm-Eck gebaut hatte. In diesem sind C & A und ein Swissotel-Hotel ansässig. Also werden künftig zwei Luxushotels miteinander konkurrieren, die nur einen Steinwurf voneinander entfernt liegen. Auch das leer stehende Haus Cumberland am Kurfürstendamm 193 soll zum Luxushotel werden. Die auf Hotelbauten spezialisierte Düsseldorfer Projektentwicklungsfirma NPC will das Baudenkmal von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben kaufen. Möglichst schon bis 2007 will der Investor das Projekt verwirklichen. Ein Bau-Vorbescheid des Bezirks liegt vor, laut Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) laufen vorbereitende Gespräche für die Baugenehmigung.

Einen Teilumbau plant das Bristol Hotel Kempinski am Kurfürstendamm: Um mehr Café- und Restaurantbesucher anzulocken, will es seine Gastronomie am Ku’damm, Ecke Fasanenstraße bündeln. Zum dortigen „Kempinski-Eck“ gesellen sich die Sektbar und Frühstücksräume. Bezirkspolitiker hoffen auf einen „Ersatz für das alte Café Kranzler“.

Das insgesamt größte Bauvorhaben ist die „Spreestadt Charlottenburg“. Auf 25 Hektar Fläche entsteht nördlich des S-Bahnhofs Tiergarten ein Stadtquartier. Teile sind schon fertig, darunter die im Jahr 2000 eröffnete Mercedes-Welt am Salzufer und ein „Dorint Novotel“-Hotel.

Manche andere Projekte kommen nur schleppend voran. Seit einem Jahrzehnt ist das 118-Meter-Hochhaus „Zoofenster“ zwischen Budapester Straße, Kant- und Joachimstaler Straße geplant. Es soll überwiegend als Hotel dienen. Doch Hilton sprang als möglicher Hotelbetreiber ab. Inzwischen ist die Brache vor Blicken verborgen: Riesenplakate zeigen Werbung und Bilder von Sehenswürdigkeiten wie dem Charlottenburger Schloß.

In der Kantstraße plant auch der Investor Casia ein 118-Meter-Gebäude, das für Büros gedacht ist. Das „Schimmelpfeng-Haus“ soll abgerissen werden. Casia will den Bauantrag im Juli stellen – denn die Antragsfrist der Stadtentwicklungsverwaltung läuft aus. Es gibt aber noch keine Termine für den Abriss und Neubau, weil die Mietersuche andauert.

Keinen Fortschritt gibt es am Kaiserdamm, Ecke Messedamm. Dort wollte einst die Berliner Volksbank ihre Zentrale bauen. Später war ein Hotelbau im Gespräch. Als Zwischennutzung soll es bald auch auf dieser Brache Riesenplakate geben. Sponsoren der Fußball-WM wollen für sich werben.

Voraussichtlich noch im Juni wird der Berliner Senat über die Zukunft des Internationalen Congress Centrums (ICC) entscheiden. Laut einem Gutachten wäre der Abriss zu Gunsten eines neuen Kongresszentrums billiger als eine Sanierung. Wirtschaftsvertreter, Berlins CDU und das Bezirksamt wollen das ICC aber erhalten.

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