Zeitung Heute : Hoch leben die Kinder!

Annika Rendel macht unter dem Label Finkid strapazierfähige Kleider für Knirpse

Maren Sauer

Als Sechsjährige träumte die in Finnland geborene Annika Rendel davon, später einmal Mode zu gestalten. Als Teenager bekam der Wunsch durch ihr Interesse an Architektur Konkurrenz. Und als Twen studierte sie Mode-Design und Architektur. „Die Idee, etwas Eigenes zu machen, ein eigenes Konzept zu entwickeln und umzusetzen, war bei mir schon immer sehr ausgeprägt“, sagt die heute 31-Jährige.

Seit September hat diese Ambition ein Zuhause: im Finkid-Store nahe dem Stuttgarter Platz. Das skandinavisch unverschnörkelte Interieur wurde nach ihren Entwürfen getischlert, die farbenfrohen, strapazierfähigen Kindermode-Kreationen in den Größen 68 bis 140 nach ihren Vorgaben genäht. „Ohne meinen Sohn“, vermutet Annika Rendel, „gäbe es all das wohl nicht.“ Als ihre Muse bezeichnet sie den Vierjährigen. Und zugleich ist er Testperson für neue Modelle, unterzieht diese „härtesten Prüfungen“. Materialien, die denen nicht Stand halten, oder Schnitten, die sich mit seinem Bewegungsdrang als unvereinbar erweisen, bleibt der Weg ins Sortiment verwehrt. Denn schließlich will neben dem ästhetischen Empfinden der Designerin auch das praktische Denken der Mutter befriedigt werden.

Pflegeleicht sollen die Sachen sein, altern können und trotzdem noch gut aussehen, und ihre kleinen Träger sollen sich wohl fühlen. Erreicht werden diese Ansprüche einerseits durch die Kombination natürlicher Materialien mit „Öko Tex“-Siegel geprüften Funktionsstoffen wie Polar-Fleece oder imprägnierter Baumwolle. „Denn kein Kind braucht eine teure Goretex-Jacke, mit der es stundenlang im Regen stehen oder den K2 besteigen könnte“, meint Annika Rendel. Gleichwohl weiß sie, dass Kinder nur wenig Rücksicht auf Kleidung nehmen, und zollt dieser Erfahrung durch die Farbgebung Tribut. Zwar dominieren Blau-und Rottöne ihre Kollektion, die sich von Stramplern über Kleider, Fischerhemden, Pullover und Parkas bis hin zu wärmenden Accessoires erstreckt, doch der Kniebereich der Finkid-Hosen ist konsequent in erdigen Farben gehalten, „damit man den Dreck nicht so sieht.“

Unübersehbar ist indes Annika Rendels Verbundenheit zur finnischen Heimat, die sich in traditionellen Schnitten, klaren Mustern und einem Faible für den im Norden üblichen Lagen-Look manifestiert. „Findkid ist ja nicht nur eine Marke, die bald per Franchise bundesweit vertrieben werden soll, sondern auch mein kleiner Beitrag zur Völkerverständigung“, sagt sie. „Eläköön lapset!“ steht in weißen Lettern auf den Schaufenstern ihres Ladens, und dieses „Hoch leben die Kinder!“ ist für die Jungunternehmerin oberstes Gebot. Entsprechend glücklich ist sie, dass es ihr gelang, den finnischen Weihnachtsmann in Rovaniemi zur Teilnahme an ihrer Advents-Aktion zu überreden: Er sicherte zu, allen Kindern gratis zu antworten, die ihre Wunschzettel rechtzeitig bei Finkid abgeben.

Finkid, Leonhardtstraße 24 (Charlottenburg), Mo-Fr 10–18, Sa 10–16 Uhr. Infos unter www.finkid.de

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