Hochschulen : Beispielloser Ansturm: 500 000 Studienanfänger

Ein Student auf dem Weg nach oben. Hier gesehen in der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder).
Ein Student auf dem Weg nach oben. Hier gesehen in der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt/Oder).Foto: dapd

An der „Studienplatzbörse“ wird in diesem Jahr ein äußerst knappes Gut gehandelt: Unter der Adresse www.freie-studienplaetze.de können sich junge Menschen dort seit Donnerstag wieder informieren, wo sie noch einen der begehrten Plätze ergattern können. Denn an den Hochschulen wird im kommenden Wintersemester ein bislang einmaliger Ansturm von Studienanfängern erwartet.

Der Grund dafür sind die Aussetzung der Wehrpflicht und die doppelten Abitur-Jahrgänge in Niedersachsen und Bayern. Die Hochschulen brauchen deshalb womöglich mehr Geld. Die Abiturienten wiederum werden aufgefordert, bei der Fächerwahl ganz genau hinzuschauen und nicht nur heimatnahe oder besonders beliebte Studienorte anzustreben.

Mit rund 500 000 Studienanfängern rechnet die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in dem im Oktober beginnenden Wintersemester. „Das wären 50 000 Plätze mehr als geplant, die daher auch noch nicht finanziert sind“, sagte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel. Bund und Länder gehen im Rahmen des Hochschulpakts, mit dem sie zusätzliche Studienplätze finanzieren, nur von rund 450 000 Studienanfängern aus.

Die HRK-Präsidentin appellierte deshalb an die Politik, den Hochschulen notfalls stärker unter die Arme zu greifen. Diese seien darauf angewiesen, „dass Bund und Länder ihnen bei Engpässen die notwendigen Mittel schnell und flexibel zur Verfügung stellen.“ Bei der erwarteten Zahl der Studienanfänger würden die bisher im Rahmen des Hochschulpakts zugesagten Mittel nicht ausreichen. Das Bundesbildungsministeriums versichert aber, die im Wintersemester benötigten Studienplätze würden finanziert. Dies gelte auch, wenn mehr Plätze erforderlich seien als im Hochschulpakt zunächst angenommen.

In der ersten Phase des Pakts von 2007 bis 2010 wurden die Erwartungen bereits weit übertroffen: Ursprünglich war mit 91 000 zusätzlichen Plätzen gerechnet worden, letztlich waren es mit 182 000 doppelt so viele. Und die Zahlen sollen weiter steigen: Denn nach dem Kraftakt im Herbst warten weitere doppelte Abitur-Jahrgänge in den Ländern durch die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre. Ursprünglich sei der Höhepunkt des Ansturms erst 2013 erwartet worden, weil dann ein doppelter Jahrgang aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen an die Hochschulen streben werde, sagt Gunvald Herdin vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE). Über den Haufen geworfen wurde die Planungen durch die kurzfristige Aussetzung der Wehrpflicht.

Wer einen der begehrten Studienplätze bekommt, muss sich auf volle Hörsäle, aber auch auf eine schwierige Wohnungssuche einstellen. Bei den Wohnheim-Plätzen für Studienanfänger werde es eng, sagte der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks (DSW), Achim Meyer auf der Heyde. „Dies gilt vor allem für Großstädte wie München, Hamburg oder Berlin, aber auch für klassische Universitätsstädte wie Tübingen, Heidelberg oder Freiburg.“ Im Osten sei der Wohnungsmarkt dagegen entspannter.

HRK-Präsidentin Wintermantel empfiehlt künftigen Studierenden grundsätzlich, sich vor einer Wahl genau über das Angebot zu informieren: „Studienanfängern stehen in Deutschland über 9000 Studienangebote offen.“ Es sei zwar nicht einfach, den Überblick zu bekommen. Doch die Mühe lohne sich. (AFP)

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