Zeitung Heute : Hochsicherheitsfieber

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Lucia Curtini wohnt in der Nähe von Pratica del mare. Die Wohnung der römischen Hausfrau liegt genau 2,5 Kilometer Luftlinie von jenem mauer- und stacheldrahtbewehrten Ort entfernt, an dem US-Präsident Bush am 29. Mai zusammen mit anderen Staatschefs der Nato-Mitgliedsstaaten Russlands Präsident Putin empfangen wird. Ein Gipfel, der so minutiös vorbereitet wird, dass bereits Beamte der italienischen Polizei gleich zwei Mal bei Lucia Curtini die Wohnung daraufhin untersuchten, inwiefern von ihren Fenstern jene Straße beobachtet werden kann, auf der Bushs Limousine fahren wird.

Rom und Umgebung befinden sich im Hochsicherheitsfieber. Ein Fieber, mit dem die US-Botschaft in der Hauptstadt die italienischen Behörden angesteckt zu haben scheint. Wie ein Mitarbeiter von Ministerpräsident Berlusconi bestätigte, habe man schon jetzt mit den Vorkehrungen für den Gipfel begonnen. „Mein Freund Bush soll sich bei uns so richtig sicher und wohl fühlen“, sagte Berlusconi und teilte der US-Botschaft mit, dass rund 9 000 Soldaten, Carabinieri und Polizisten während Bushs Besuch für die nötige Sicherheit sorgen werden.

Berlusconi liegt ganz besonders an seinem Gast aus Washington. Seit seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im letzten Mai bezeichnet er Bush als „einen engen Freund“ und sich selbst als „Amerikas treuesten Partner“. Seit Berlusconi auch Außenminister ist, konzentriert er sich zwar mehr als zuvor auf die EU und etwas weniger auf die, wie er sie nennt, „transatlantische Freundschaft“, aber nach wie vor bezeichnet er die Beziehungen zwischen Italien und den USA als „mehr als wichtig, ich würde sagen, existenziell für mein Land“. Fraglich ist nur, ob auch Bush das so sieht. Thomas Migge

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