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Die Fusionsgespräche der Großbanken Unicredito und HypoVereinsbank sind offenbar weit vorangekommen. Inwiefern profitieren eigentlich die Kunden von solchen Bankenzusammenschlüssen?

Glaubt man den Beobachtern, steht der Übernahme der Hypo-Vereinsbank in München durch die italienische Großbank Unicredito so gut wie nichts mehr im Wege. Es wäre die größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa und könnte der Beginn einer Neuordnung im europäischen Bankenmarkt sein.

Nun wird zwar von beiden Banken immer wieder betont, dass durch einen Zusammenschluss eine sehr starke Bank in der Region Norditalien, Österreich und Süddeutschland entstünde, und auch der Bundesverband deutscher Banken steht dem Vorhaben positiv gegenüber. Aber was bringt schiere Größe dem Kunden für einen Vorteil?

Der Privatkunde mit Girokonto, Sparbuch und kleinem Wertpapierdepot profitiert zunächst wenig davon. Das Angebot an Sparbriefen oder Fonds ändert sich in aller Regel nicht, auch die Überziehungszinsen für das Girokonto werden wegen einer Fusion nicht sinken. Allenfalls werden die Gebühren am Geldautomaten geringer, wenn die Bankfilialen in München, Innsbruck und Bozen zum gleichen Konzern gehören. Zu befürchten ist vielmehr, dass im Zuge der Reorganisation der neuen Bank die Filiale an der Ecke aufgegeben und der bisher geschätzte Berater des Kunden an eine andere Stelle versetzt wird. Zu viele Banken buhlen in Deutschland um die Gunst der Kunden, sagt auch der Bankenverband – und die Zielrichtung ist klar. Wollen die Institute Geld verdienen, muss die Zahl verkleinert werden – zum Nachteil der Kunden.

Für den Firmenkunden kann ein Zusammengehen schon größere Vorteile bieten. Insbesondere dann, wenn sein Unternehmen stark im Exportgeschäft tätig ist. Dann kann beispielsweise ein bayerischer Mittelständler durchaus davon profitieren, dass er seine Geschäfte am Gardasee mit dem gleichen Bankkonzern abwickeln kann. Auch Überweisungen werden schneller, einfacher und – unter Umständen – auch billiger. Auf der anderen Seite aber wird auch für den Unternehmer die Auswahl seiner Bankpartner kleiner. Und ein großer Konzern als Finanzierungspartner kann seine Macht auch zu höheren Preisen nutzen.

Nochmals deutlich besser schneiden in aller Regel die Aktionäre ab. Sie werden Teilhaber einer größeren, stärkeren Bank, die – treten alle gewünschten Synergieeffekte der Fusion ein – mehr verdienen wird. Ihre Bank steht künftig auf einem festeren Fundament und wird in Zukunft einen größeren Marktanteil halten. Nicht von ungefähr stieg der Kurs der Hypo-Vereinsbank-Aktie nach Bekanntwerden der Gespräche mit den Italienern zunächst kräftig an.

Und die Mitarbeiter? Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze. Die Gewerkschaft Verdi warnt vor einem massiven Arbeitsplatzabbau. Doch wer bleibt, sitzt meist auf einem deutlich sichereren Arbeitsplatz und hat in einem internationalen Konzern bessere Aufstiegschancen.

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