Zeitung Heute : Hoeneß: Schwarzgeld in der Schweiz

Ermittlungen gegen den Präsidenten des FC Bayern / Die Rede ist von mehreren hundert Millionen Euro.

Berlin/München - Gegen den Präsidenten des FC Bayern München, Uli Hoeneß, laufen Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in der Schweiz. Der Fußball-Weltmeister von 1974 hat sich im Januar 2013 bei der Staatsanwaltschaft München selbst angezeigt. Dem Magazin „Focus“ sagte der 61-Jährige, er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, nachdem das von der schwarz-gelben Koalition angepeilte Steuerabkommen mit der Schweiz im vorigen Dezember gescheitert war. Nach diesem Abkommen wären nicht versteuerte Vermögen auf Schweizer Konten pauschal abgegolten worden, die Inhaber wären anonym geblieben.

Angaben zur Höhe einer etwaigen Steuerschuld machten dem Magazin zufolge weder die Münchner Staatsanwaltschaft noch Hoeneß selbst. Nach „Focus“-Informationen ließen Ermittler im März das private Anwesen von Hoeneß im Tegernseer Tal durchsuchen. Hoeneß hat nicht nur als Fußballspieler, sondern auch mit einer großen Wurstfabrik in Nürnberg ein Vermögen verdient.

Nach Angaben von Hoeneß geht es „um ein Konto von mir in der Schweiz“. Stimmt der Bericht der Münchner „Abendzeitung“, dann hatten sich dort mehrere hundert Millionen Euro angesammelt. Wie die Zeitung weiter berichtet, hat Hoeneß parallel zu seiner Selbstanzeige eine Abschlagszahlung an die Finanzbehörden von mehr als fünf Millionen Euro gezahlt. Hoeneß erklärte, mit seinen Anwälten und Beratern „in vollem Umfang“ mit den Behörden zu kooperieren. „Ich vertraue voll und ganz auf die Arbeit der mit dem Fall befassten Behörden und bitte, mit Respekt darauf von weiteren Anfragen abzusehen“, sagte er. Eine Selbstanzeige kann im Fall von Steuerhinterziehung strafmildernd sein.

Das Steuerverfahren könnte nun auch eine Rolle im bayerischen Landtagswahlkampf spielen. Die Wahl findet im September statt. Die CSU hatte um Hoeneß als aktiven Unterstützer geworben. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bestätigte, dass er seit geraumer Zeit schon von dem Verfahren wisse.

Bayerns SPD-Chef Florian Pronold sagte dem Tagesspiegel: „In Bayern gibt es eine Tradition, den oberen Zehntausend bei der Steuerhinterziehung zu helfen – zumindest, indem man nichts dagegen unternimmt.“ Die CSU rühme sich dessen sogar und verkaufe dies „als Standortvorteil“. Hoeneß, der im Sport für sich immer eine Vorbildfunktion reklamiere, habe das Nichtstun der CSU bei der Verfolgung von Steuersündern ausgenutzt und bewiesen, „dass er keineswegs ein Vorbild ist“, sagte Pronold. Der Bayern-Präsident sei nach dem Prinzip vorgegangen, dass der Ehrliche der Dumme sei und habe „bis zuletzt abgewartet, ob er nicht noch davonkommt“. Wenn die SPD im Bundesrat nicht das Steuerabkommen mit der Schweiz blockiert hätte, „hätte er mit einem billigen Ablasshandel seinen Schein wahren und weiter das Vorbild spielen können“.

Bayern-Trainer Jupp Heynckes befürchtet vor dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona am kommenden Dienstag keine negativen Auswirkungen. „Grundsätzlich ist das eine Privatangelegenheit des Präsidenten“, sagte er nach dem 6:1-Sieg bei Hannover 96. „Meine Mannschaft lässt sich von nichts beeindrucken.“ Hoeneß fehlte beim Spiel in Hannover.

Sylvia Schenk, Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“: „Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert. Es wird sicher ganz schwer sein für ihn, da wieder herauszukommen.“

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