Zeitung Heute : Hörfunk für Berliner Türken: Radyo 94,8 Metropol FM sendet seit einem Jahr Musik und Infos

Tanja Buntrock

Um es etwas überspitzt auszudrücken: Der erste türkischsprachige Radiosender außerhalb der Türkei, 94,8 Metropol FM, hat ein Tochter-Problem: Er kann nur Statistikerinnen beauftragen, eine Umfrage über die Hörerschaft durchzuführen, denn wenn männliche Mitarbeiter in türkischen Haushalten anrufen und mit der Tochter sprechen, glauben die Väter, "dass dies heimliche Liebhaber ihrer Tochter sind und legen den Hörer auf", erklärt Nizam Namidar, der stellvertretende Programmleiter des Senders. "Eine Befragung unter Türken, hat eben seine Tücken", sagt der 39-jährige müde, hat er doch gerade die Morgenschiene "Günaydin Berlin" von fünf bis zehn Uhr moderiert. Da die offizielle Untersuchung über die Hörer-Reichweite und -Strukur, die von der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse (MA) durchgeführt wird, nur die deutschsprachige Bevölkerung zählt, kann der türkische Sender in die Untersuchung nicht miteinbezogen werden. "Deshalb machen wir jetzt mit Infratest eine eigene Erhebung bei den rund 170.000 in Berlin lebenden Türken. Diese ist analog der MA-Befragung", behauptet Geschäftsführer Werner Felten, der einzige Deutsche im Team.

Am 7. Juni ist es ein Jahr her, dass der Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen den berühmten roten Knopf zum Sendebeginn von 94,8 Metropol FM gedrückt hat. Nach gut einem Jahr sollen die Ergebnisse der Hörerschaftsbefragung zeigen, ob Veränderungen im Programm vorgenommen werden müssen. Lässt man das Jahr Revue passieren, gab es bereits Veränderungen. Nachdem zu Beginn für Metropol FM noch der Privatsender Berliner Rundfunk 91!4 die Vermarktung der Werbezeiten übernommen hat, nimmt der türkische Sender diese Aufgabe jetzt selbst in die Hand. "Das war eine Starthilfe", erklärt der Geschäftsführer, "mittlerweile haben wir einige Großkunden für uns gewinnen können, auch deutsche Firmen wie die Deutsche Telekom".

Der Geschäftsführer ist mit der finanziellen Situation des Senders bislang zufrieden, "es gibt einen Entwicklungsplan, der auf drei Jahre angelegt ist, und wir liegen voll im Plan". Das beruhigt auch die Gesellschafter. Den Löwenanteil von 80 Prozent hält die Medien Union Ludwigshafen. Die restlichen 20 Prozent teilen sich jeweils zur Hälfte der frühere Geschäftsführer Herbert F. Schnaudt und der Frankfurter Rechtsanwalt Heinz-Werner Ehlgen. Das Team besteht aus rund 20 festen Mitarbeitern und einigen freien. Alle sprechen Deutsch und Türkisch, alle haben verschiedene soziale Hintergründe. Namidar zum Beispiel war 17 Jahre lang Theaterschauspieler und ist mehr oder weniger durch Zufall zu Metropol FM gekommen. "Natürlich mussten wir die Moderatoren schulen, und wir tun dies heute immer noch, so zum Beispiel von ehemaligen Chefredakteuren anderer Privatsender", erklärt Felten.

Laut einer Studie der Berliner Ausländerbeauftragten hören fast 72 Prozent der Berliner Türken regelmäßig 94,8 Metropol FM. Einen entscheidenden Beitrag hierzu hat der Sender mit dem Benefiz-Konzert für die Erdbebenopfer der Türkei geleistet. "Wir legten alle Überstunden ein und organisierten innerhalb von nur drei Wochen das Benefiz-Konzert", erinnert sich Namidar. Das Konzert brachte 131 000 Mark Spendengelder ein. Und als der Istanbuler Fußballclub "Galatasaray" vor einigen Wochen den UEFA-Cup geholt hat, "war hier die Hölle los", sagt Namidar, "wir hatten Live-Schaltungen nach Kopenhagen, schickten einige Teams in die Stadt, um die Atmosphäre einzufangen".

Das nächste Highlight wird die Geburtstagsfeier am 10. Juni in der Arena in Treptow sein. Dort werden bekannte türkische Musiker und DJs erwartet, und auch die Comedy-Stars von 94,8 Metropol FM werden ihre Showeinlagen bieten. "Wir rechnen mit einem riesigen Ansturm für die Feier, zumal wir demnächst Promotion-Teams durch die Stadt schicken werden, die dafür werben. Außerdem verlosen wir Handys", sagt Felten. Das komme bei Türken, "die wie die Weltmeister telefonieren" immer gut an.

Das Team freut sich auf die Geburtstagsfeier, "auch wenn diese zur Zeit viel Arbeit bedeutet, aber es wird schon gelingen", sagt Namidar. Immerhin wird ja auch jeder Raum des Senders beschützt: Der bläuliche Nazar-Stein, ein runder Glasstein, schützt - nach türkischem Aberglauben - vor bösen Blicken und Schaden. Auch deutsche Journalisten, die zu Besuch kommen, bekommen diesen Stein: Sie müssen nur daran glauben.

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