Zeitung Heute : Hoffnung für Freischwimmer

Der Tagesspiegel

Von Claudia Keller

Die Moabiter werden im Sommer nicht schmoren müssen. „Das Sommerbad Poststadion kann genutzt werden“, sagt Klaus Lipinsky, der Chef der Bäder-Betriebe (BBB). Zwar könne das Außenbecken mit Sicherheit nicht in Betrieb genommen werden. Selbst wenn sich eine Million Euro finden würde, um das Becken zu sanieren und den drohenden Einsturz des Beckenrandes zu verhindern, müsse die komplette Beckenhydraulik wegen der neuen Richtwerte für Schadstoffe ausgetauscht werden. Und das würde bis zum ersten Frost im Herbst dauern.

Badegäste können sich aber auf der Liegewiese des Freibades tummeln und zur Abkühlung in die Schwimmhalle gehen, so Lipinsky. Dieses Jahr bleibe auch in den Sommermonaten die Schwimmhalle geöffnet. Damit kein Gras in die Schwimmhalle getragen wird, müssen die Sonnenanbeter durch Fußbecken waten, bevor sie die Halle betreten. Diese Becken müssen noch installiert werden. „Wir sind sehr glücklich, dass wir diese Kombi-Lösung anbieten können“, sagt Lipinsky.

In den letzten Jahren wurde die Schwimmhalle in den Sommermonaten geschlossen. „Dieses Jahr werden wir ein bisschen tricksen und die Wartungsarbeiten auf die Herbstferien verschieben“, so Lipinsky. Ein privater Betreiber habe sich für das Bad noch nicht gefunden. Ebenso wenig für das Sommerbad Humboldthain, das ebenfalls auf der Liste der zu privatisierenden Bäder steht. „Das Problem bei den Sommerbädern ist, dass die BBB das Monopol auf die Wasseraufbereitungsanlagen besitzt“, sagt Lipinsky. Ein privater Betreiber müsste von der BBB oder von einer der wenigen Firmen in diesem Bereich die Technik kaufen. “Das ist unglaublich teuer.“ Deshalb will die BBB eine Infrastruktur-GmbH gründen und die Bäder betriebsfertig an private Betreiber vermieten.

Private Pächter für die zwölf Strandbäder zu finden, ist dagegen sehr viel einfacher. Es handelt sich dabei um die Badestellen Tegeler See, Jungfernheide, Lübars, Orankesee, Wernersee, Weißensee, Halensee, Wendenschloss, Grünau, Plötzensee und Müggelsee. 20 Bewerbungen seien bis zur Bewerbungsfrist am 20. Märt eingegangen. Darunter mindestens zehn, die die Bäder-Betriebe als „ernsthaft“ einschätzen. Die Chancen stünden also sehr gut, dass die Einrichtungen wie geplant vom 11. Mai bis 11. September öffnen. Die meisten Interessenten seien Gastronomen, die die Bewirtschaftung der Bäder übernehmen wollen. Etliche seien bereits seit Jahren vor Ort.

Für Vereine sind die Naturbäder „nicht so interessant“, sagt Manuel Kopitz, der Geschäftsführer des Berliner Schwimmverbands. Denn man könne sie nur im Sommer nutzen. Für das Bad am Plötzensee machen sich dennoch die „Wasserratten“ große Hoffnungen, den Zuschlag für den Pachtvertrag zu bekommen.

Entschieden wird am 10. April, sagt Lipinsky. Die potenziellen Betreiber müssen eine Kaution oder eine Bankbürgschaft in Höhe von 25 000 Euro vorweisen. Die Pachtverträge werden nur für ein Jahr abgeschlossen, „weil wir alle noch lernen“, so Lipinsky. Die BBB wollen durch die privaten Pächter mindestens 1,2 Millionen Euro Betriebskosten sparen. „Darüber hinaus wollen wir auch Umsatzpacht bekommen“. Deshalb müssen die Pächter ihre Umsätze offenlegen – und der Sommer ganz viel Sonne bringen.

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