Zeitung Heute : Hoffnung für Kylie

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Neue Wege bei der Brustkrebs-Behandlung

Hartmut Wewetzer

Die australische Popsängerin Kylie Minogue ist mit 36 Jahren an Brustkrebs erkrankt. Die Geschwulst sei im Frühstadium entdeckt worden, heißt es. Der Tumor ist also noch klein und hat noch nicht auf andere Organe übergegriffen. Wie stehen Kylies Chancen?

Eine Untersuchung, die dieser Tage im Fachblatt „Lancet“ veröffentlicht wurde, hat sich mit der Überlebenswahrscheinlichkeit jener Patientinnengruppe beschäftigt, zu der die Sängerin gehört. Also mit Frauen, bei denen Brustkrebs früh entdeckt wurde. Über rund 15 Jahre haben Sarah Darby von der Universität Oxford und ein internationales Forscherteam das Schicksal von rund 200000 Frauen verfolgt, die sich für knapp 200 Studien zur Verfügung gestellt hatten.

Das Ergebnis fällt klar positiv aus: Die unterstützende Therapie mit Zellgiften (Chemotherapie) oder dem Hormonpräparat Tamoxifen nach der Brustkrebsoperation kann das Sterberisiko an Brustkrebs in den nächsten 15 Jahren deutlich senken, bei manchen Kranken gar halbieren. Zwar haben diese Therapien Nebenwirkungen, doch überwiegen auf lange Sicht die Vorteile der Begleitbehandlung. „Die Tatsache, dass die Zahl der Todesfälle durch Brustkrebs in den USA und anderen Industrienationen seit 15 Jahren zurückgeht, ist zu einem wesentlichen Teil auf diese Behandlung zurückzuführen“, sagt die Studienleiterin Darby. Diesen Trend bestätigt Kurt Possinger, Brustkrebsspezialist am Berliner Universitätsklinikum Charité, auch für Deutschland. „Und es gibt weitere positive Entwicklungen“, sagt Possinger. „Auf dem Treffen der amerikanischen Krebsexperten in Orlando gab es ermutigende neue Ergebnisse mit dem Brustkrebsmittel Trastuzumab.“ Dieser unter dem Namen Herceptin vermarktete Wirkstoff blockiert ein Eiweiß auf den Krebszellen, das besonders zur Ausbreitung des Tumors beiträgt.

Herceptin ist für jede vierte Patientin geeignet. Es wurde bisher vor allem bei Frauen eingesetzt, bei denen der Tumor bereits weiter fortgeschritten war. Aber nach neuen Studien kann es die Gefahr eines Rückfalls bei Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium um die Hälfte senken. Eine kleine Sensation! Das Medikament könnte also bald die Palette der Behandlungsmöglichkeiten für Frauen wie Kylie Minogue erweitern – falls die Krankenkassen es bezahlen ...

Maßgeblich an der Entwicklung des Herceptins beteiligt war – ein bisschen Lokalpatriotismus darf sein – der Krebsforscher Axel Ullrich vom Max- Planck-Institut für Biochemie in Martinsried. Er fand das verdächtige Eiweiß auf den Krebszellen und konstruierte einen Prototyp des Medikaments Herceptin. Ullrich wurde vielfach ausgezeichnet, auch mit dem Preis „Busenfreund“ der Patientinnen-Vereinigung „Mamazone“. Diese Ehrung hat er verdient, denn Herceptin wurde bisher bei mehr als 230000 Brustkrebspatientinnen eingesetzt.

All diese guten Nachrichten können natürlich an der traurigen Diagnose nichts ändern, und ob sie im Einzelfall wirken, ist auch nicht gesagt. Aber Fortschritte – die gibt es.

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