Zeitung Heute : Hoffnungsträger

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war die einzige nichtstaatliche Hochschule in Belarus (Weißrussland), die staatlich anerkannt war. Die Universität wurde 1992 mit Unterstützung der Nationalen Akademie der Wissenschaften von Belarus, den Ministerien für Kultur und Bildung, der Stadt Minsk, der orthodoxen Kirche, dem International Humanitarian Foundation und bekannten Persönlichkeit aus Wissenschaft, Kultur und Kirche gegründet.

Ziel der Universität ist es, in Belarus eine ideologisch-unbeeinflusste Universität zu errichten, die sich an westeuropäischen Standarts orientiert. Die EHU besitzt acht Departments: Rechtswissenschaft, Wirtschaftswissenschaften, Philosophie, Theologie, Psychologie, Informatik, Kunst- und Literaturwissenschaften sowie ein französisches Department für politische Wissenschaften . Den Gründungsvätern kam es vor allem darauf an, in den Bereichen der Geistes- und Sozialwissenschaften eine Ideologie unabhängige Lehre und Forschung zu garantieren.

Außerdem existieren an der EHU verschiedene Zentren unter anderem für skandinavische Literatur , ein Zentrum für Gender Studies , ein Institut für deutsche und eines für amerikanische Studien . Seit 1997 bietet die EHU ein Ph.-D.-Programm für Juristen und Philosophen an, seit dem Jahr 2000 wurde ein post-graduate-Studium in Psychologie, Wirtschaft und Kunst- und Literaturwissenschaften eingerichtet.

Die Unterrichtssprache ist in der Regel Englisch , einige Studiengänge wie der „Master in Internationalem Management“ oder die Veranstaltungen des Instituts für Deutschlandstudien finden auf Deutsch statt. Die international renommierte Universität verfügt bereits nach wenigen Jahren über ein großes Netzwerk internationaler Partnerschaften und wird unter anderem von der Deutschen Botschaft in Minsk, dem Deutschen Akademischen Austauschdienst und der Robert-Bosch-Stiftung unterstützt.

Wegen ihrer westeuropäischen Ausrichtung geriet die EHU in der Vergangenheit bei den belarussischen Machthabern immer wieder in die Kritik. Der Minsker Philosophie-Professor Wladimir Dounajew sagte jüngst in der „Süddeutschen Zeitung“: „Es geht um eine Sowjetisierung der Bildu ng. Im August 2004 ließ der diktatorisch regierende belarussische Präsident Alexandr Lukaschenko die Universität innerhalb einer kurzen Frist unter fadenscheinigen Gründen schließen. Wie in anderen Lebensbereichen nutzte Lukaschenko die Gunst der Stunde, um sich der Opposition und seiner Kritiker zu entledigen.

Die Europäische Humanistische Universität hatte vor ihrer Schließung 1049 Studierende . Bislang sind 200 Studenten der EHU an ausländische Universitäten in Frankreich, Deutschland, Polen und in die USA gewechselt. Andere schrieben sich notgedrungen an der staatlichen Universität ein, um ihr begonnenes Studium abzuschließen. Nach Berichten der „Süddeutschen Zeitung“ ist es inzwischen mit Hilfe von westlichen Sponsoren gelungen, eine „Exiluniversität“ der Europäischen Humanistischen Universität in der litauischen Hauptstadt Wilna zu gründen. fva

Weiteres im Internet:

www.ehu.by

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