Zeitung Heute : Hohe Preise machen erfinderisch

Immer mehr Bauherren und Immobilienbesitzer sparen mit neuen Heizungen Rohstoffe ein und setzen auf umweltfreundliche Sanierungsmaßnahmen

Heiko Schwarzburger

Steigende Preise für Öl, Gas und Strom: Viele Eigentümer haben die Zeichen der Zeit erkannt und wollen den Energieverbrauch ihrer Immobilien senken. Doch oft wird das Potenzial zur Energieeinsparung nur ungenügend genutzt, weil Wissenslücken bei den Bauherren zu Fehlern in der Sanierung oder im Neubau führen.

Der häufigste Fehler: Meist werden nur die alten Fenster erneuert und die Heizung modernisiert. Viel sinnvoller ist es, mit den Fenstern zugleich die Dämmung der Außenwände, des Daches und des Kellers zu verbessern. Dadurch lässt sich der Energiebedarf eines Mehrfamilienhauses um mehr als 60 Prozent senken, die Emissionen von Kohlendioxid gar um bis zu 83 Prozent. Weil der Energiebedarf des sanierten Gebäudes in der Regel deutlich geringer ausfällt, kann auch die neue Heizung in Verbrauch und Dimension schrumpfen. Die Energiekosten gehen sprichwörtlich in den Keller.

„Oder noch besser: Man steigt auf erneuerbare Energien um“, empfiehlt Falk Antony von der Berliner Solarpraxis AG. Die Firma berät Investoren, Kommunen und Geschäftsleute bei Fragen zur Energieeinsparung und zu den erneuerbaren Energien. Beratung ist wichtig, denn in den letzten Jahren hat sich die Angebotspalette auf dem Markt enorm erweitert. Moderne Kollektoren fangen Sonnenwärme ein und nutzen sie, um Warmwasser zu bereiten und die konventionelle Heizung während der Übergangsmonate zu entlasten. Heizungen mit Holzschnitzeln oder gepressten Pellets ersetzen vielerorts die klassischen Ölheizungen und Gasthermen. Diese noch junge Branche meldete im vergangenen Jahr einen Absatzsprung um mehr als 100 Prozent.

Wärmepumpen, die ihre Heizenergie aus dem thermischen Reservoir unterirdischer Wasseradern oder der Umgebungsluft beziehen, sind auch auf dem Vormarsch. Um sich im Dschungel der Technologien für Heizung, Warmwasser und Haushaltsstrom zurecht zu finden, empfiehlt Falk Antony in jedem Fall einen Energieberater. „Oft wird die energetische Sanierung einer Immobilie oder ein Neubau nur unzureichend geplant“, berichtet Antony. „Viele Schätze aus der Energieeinsparung bleiben ungehoben, die Bauherren zahlen in der Regel drauf.“

Der Ingenieur hat Erfahrung in diesem Geschäft, denn er leitet das Forschungsprojekt „Energieeffizient bauen“, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördert. Sein Team hat verschiedene Sanierungsprojekte nach ihrem Abschluss untersucht, um Schwachstellen offen zu legen. Bundesweit nahmen sie mehr als 70 Energiegutachten für Mehrfamilienhäuser unter die Lupe. Fazit: Die deutschen Bauherren sind konservativ. Sie vertrauen ihrem Steuerberater und dem Statiker mehr als einem Fachmann für Energie. So gibt es immer wieder Fälle, wo Investoren aufgrund fehlender Beratung die zinsgünstigen Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) durch die Lappen gingen. Die bundeseigene KfW fördert Maßnahmen zur Energieeinsparung und Verbesserung der Energieeffizienz. Ihre Zinssätze liegen deutlich unter den Angeboten von privatrechtlichen Banken. Dazu müssen aber Anträge gestellt werden, in denen unter anderem auch das künftige Heizsystem eine Rolle spielt. Viele Bauherren finden sich in diesen Details nicht zurecht und überlassen die Anträge dem Statiker oder dem Architekten. „Man kann nicht erwarten, dass die Statiker und Architekten auch das komplexe Fachgebiet der energetischen Sanierung überblicken“, meint Falk Antony. „Wir haben Fälle analysiert, bei denen die solarthermischen Anlagen oder Pelletsheizungen in den Anträgen an die KfW unberücksichtigt blieben, denn der Statiker ging von konventioneller Haustechnik aus.“ Die Folge: Die Anträge wurden abgewiesen. Auch andere Wissenslücken treten sehr häufig auf. Etwa ist vielen Bauherren nicht bekannt, dass bei solarthermischen Anlagen zur Heizungsunterstützung eine Flächenheizung am besten geeignet ist. Noch zögern viele Heizungsbauer, ihre Kunden über die neuen Möglichkeiten zu beraten. „Wer auf erneuerbare Energien umsteigen will, sollte sich die Referenzen seines Heizungsbauers genau ansehen“, sagt Falk Antony. „Wer keine Erfahrungen in den erneuerbaren Energien mitbringt oder Skepsis zeigt, ist für diesen Auftrag ungeeignet.“

Weitere Informationen unter:

www.energieeffizient-bauen.de

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