Zeitung Heute : Hohe Schule für die jüngsten Nachwuchswissenschaftler

In der elften Klasse war ich auf der Suche nach einer zusätzlichen Beschäftigung und habe die Biophysikalische Schülergesellschaft über das Internet gefunden. Seit zwei Jahren besuche ich nun einmal im Monat die Vorlesungen in der Invalidenstraße. Jedes Mal stellt sich ein Wissenschaftler vor 20 bis 30 Schülern mit einem anderen Thema zur Biophysik vor. So erhalte ich einen guten Überblick darüber, was später im Studium alles möglich ist. Die für Schüler oft abstrakten Fachbegriffe werden mit Inhalten gefüllt. Einmal im Jahr gibt es einen Praktikumstag, an dem uns beispielsweise die Labore gezeigt werden. Für diejenigen, die noch unschlüssig sind, in welche Richtung ihr Studium gehen soll, ist die Schülergesellschaft besonders hilfreich, weil man alle Fragen zum Studium loswerden kann. Mich hat sie darin bestärkt, Medizin zu studieren, um einmal als Molekularbiologin zu arbeiten.

Katharina Becker (17) besucht die 13. Klasse des Gymnasiums Steglitz und nimmt an den Vorlesungen der Biophysikalischen Schülergesellschaft teil.

Seit der 7. Klasse komme ich einmal in der Woche zur Mathematischen Schülergesellschaft an die Uni, um mit anderen Mathenarren Aufgaben zu knacken, die über den Schulstoff hinausgehen. Die Themen dürfen wir uns zum Teil selbst aussuchen, einmal im Jahr sollte jeder Teilnehmer einen Vortrag halten. Mein späterer Beruf soll auf jeden Fall mit Mathematik zu tun haben, weil ich es interessant finde, die Formeln für Phänomene im Alltag berechnen zu können. Ob ich wirklich Mathe studiere, weiß ich noch nicht genau. Ich würde mein Mathefaible auch gerne als Pilot ausleben: Der fliegt nicht nur, sondern kann auch die Strecken beim Flug um die Erdkugel berechnen.

Felix Winkler (18) besucht die 12. Klasse des Heinrich-Hertz-Gymnasiums in Friedrichshain und nimmt an der Mathematischen Schülergesellschaft „Leonard Euler“ teil.

Wir wollen nicht nur Schüler fördern, die ohnehin schon ein großes Interesse für die Physik zeigen, sondern auch Talente entdecken und ihnen die Möglichkeiten geben, selbst Ideen zu entwickeln. Das Schülerlabor im Obergeschoss des großen Windkanals in Adlershof bietet dazu die besten Voraussetzungen. In verschiedenen Modulen, darunter Akustik oder Elektrizitätslehre, wollen wir die Schüler ab der 7. Klasse für das Fach begeistern. In diesem Alter prägen sich Interessen und Einstellungen aus, die später die Berufswahl beeinflussen können. Lehramtsstudierende, die mitarbeiten, probieren sich pädagogisch aus.

Lutz-Helmut Schön ist Gründer und Koordinator des UniLab Institut für Physik.

Die Chemische Schülergesellschaft Berlin gibt es schon seit 1981. In zehn Vorlesungen pro Jahr machen die Dozenten mit den Schülern Ausflüge in die Chemiegeschichte, in organische, anorganische und physikalische Chemie. Auch Praktika werden angeboten. Beim Blumentopf-Experiment sprühen schon mal Funken. Es geht ja auch darum, ein bisschen Show zu machen, um das Interesse der Schüler zu wecken. Nach Noten habe ich noch nie gefragt, die Schüler sollten aber wenigstens die 10. Klasse besuchen und große Neugierde für das Fach mitbringen.

Hartmut Vogt forscht und lehrt am Institut für Chemie und ist seit 1990 Leiter der Chemischen Schülergesellschaft. Fotos: Heike Zappe (3), Constanze Haase

Schülergesellschaften im Netz:

www.hu-berlin.de/schueler

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