Zeitung Heute : Hohe Töne siegen

Willi Brem holt im Biathlon der Sehbehinderten die Goldmedaille – auch wegen seines guten Gehörs

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Gruß nach oben. Willi Brem freut sich über seine Goldmedaille.Foto: dpadpa

Zwei Mal die sogenannte „Blechmedaille“, dann endlich kam der große Erfolg in seinem dritten Rennen. Der 32-jährige Wilhelm „Willi“ Brem war im Biathlon der Sehbehinderten über 12,5 Kilometer nicht mehr zu schlagen. Entgegen seinen Erwartungen gewann er Gold.

Nachdem er die Ziellinie überquert hatte, war er „kaputt, erleichtert und überglücklich. Dass es die Goldmedaille ist, das wusste ich erst ein paar Sekunden später, als mir der Florian das gesagt hat.“ Florian Grimm, das ist Brems Begleitläufer. Seit drei Jahren läuft der nun schon vor ihm und leitet ihn per Zuruf durch die komplizierten Strecken. Grimm, der früher selbst Biathlet war, warnt Willi Brem auch vor Kurven oder Abfahrten. Und bei rasenden Geschwindigkeiten auf den Abfahrten ist dann Mut die wichtigste Voraussetzung.

Endlich konnte der Spezialist im Biathlon sein ganzes Talent im Schießen beweisen und schoss sich im wahrsten Sinne des Wortes auf Platz eins. „Es zeigt, dass sich das Schießtraining, das man den Sommer über macht, lohnt. Und wenn man das dann noch so umsetzen kann, ist es toll“, sagt der ehrgeizige Physiotherapeut Brem. Beim Blindenschießen geht es jedoch nicht um einen genauen Blick. Auf das geschulte Gehör kommt es an, denn eine Optronik ersetzt die Sehkraft. Ein Sensor im Gerät nimmt die reflektierten Lichtstrahlen der Zielscheibe auf und setzt sie in einen Ton um, je schriller und unangenehmer, desto näher das Ziel. So kann der Schütze die Zielscheibe abtasten und schließlich einen Treffer voll ins Schwarze landen. Der 33-Jährige kann seit seinem achten Lebensjahr nicht mehr richtig sehen. Nach sechs weiteren Jahren verschwand auch das restliche Sehvermögen.

Elisa Kremerskothen, 18 Jahre

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