Zeitung Heute : Holland: Amsterdamer Lichtblicke

Rolf Brockschmidt

Wer wegen der Kunst nach Amsterdam kommt und ein wenig Zeit mitbringt, kann schon auf dem Flughafen seine ersten Eindrücke sammeln. "Wir wollten zeigen, dass Holland mehr zu bieten hat als Tulpen, Windmühlen und Käse", sagt Chris Vonk, Innenarchitekt von Schiphol. Er hat eine kleine Broschüre herausgegeben, in der alle Kunstwerke mit einem Lageplan gesammelt sind. Zu den Neuerwerbungen gehören vier mannshohe Polyester-Gesichter von Rob Birza (Übergang Pier B) und eine kühne Konstruktion von Guido Geelen. Eine durchlöcherte Kuh und ein Huhn aus Aluminium hängen an einer Schienenkonstruktion, wie man sie aus der industriellen Fleischproduktion kennt. Leider hängen Geelens Kunstwerke im Crew-Center und sind daher öffentlich nicht zugänglich.

Wie sehr jedoch die Kunstkommission des Flughafens die Nase im Wind hat, zeigt das Ausstellungsprogramm des Stedelijk Museums in Amsterdam. Bis zum 7. Januar zeigt das Museum unter dem Titel "Feuerwerk" Arbeiten von Guido Geelen, darunter auch ein goldenes, durchlöchertes Schwein, das nach den gleichen Prinzipien gestaltet ist wie die Kuh auf Schiphol. Keramik, Bronze und Aluminium sind seine Lieblingsmaterialien, mit denen er dem "Feuer Skulpturen abringt".

Gespannt darf man auch auf die Auswahl sein, die Königin Beatrix als Gastkuratorin getroffen hat, um ihr 20-jähriges Thronjubiläum mit einer Auswahl niederländischer Kunst seit 1950 vom 9. Dezember bis zum 4. Februar vorzustellen. Immerhin ist sie ja selbst eine respektierte Bildhauerin.

Diese Ausstellungen sind Teil des reichhaltigen Programms, das unter dem Titel "Amsterdam Winter Adventure 2000-2001" die Anziehungskraft der Stadt in der dunklen Jahreszeit steigern soll. Ein Höhepunkt ist gewiss die Ausstellung "Licht! Das Industriezeitalter, 1750-1900. Kunst & Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft", die das Van Gogh Museum bis zum 11. Februar im neuen Anbau von Kishi Kurokawa über drei Stockwerke zeigt. Es ist die erste, mit mehr als 300 Exponaten auch umfangreichste interdisziplinäre Ausstellung, die das Van Gogh Museum bisher veranstaltet hat. Mit verblüffenden Effekten.

Die Industrialisierung des Lichts wird dem Besucher gleich zu Beginn in einem dunklen Gang vor Augen geführt. Wie die Straße Rokin im Herzen Amsterdams abends bei unterschiedlicher Beleuchtung von 1750 bis heute ausgesehen hat, demonstriert eine gewaltige Computersimulation, so dass der Besucher die Illusion hat, eine beleuchtete Straße entlang zu spazieren.

Mit Newtons "Opticks" 1704 änderte sich die Wahrnehmung des Lichtes in Kunst und Wissenschaft. Licht war zu einer kalkulierbaren Größe geworden. Die zunehmende künstliche Beleuchtung der Städte veränderte die Wahrnehmung des Lichtes, bescherte den Künstlern ein neues Thema. Licht und Aufklärung (auf Niederländisch "verlichting") werden synonym. Die Ausstellung vereint Werke von Menzel, Degas, Monet, Homer, Pissarro mit der weniger bekannten Kunst des Schweizers Franz Nikolaus König. Er illuminierte zu Beginn des 19. Jahrhunderts Schwarz-weiß-Aquarelle, aus denen die Lichtquellen ausgeschnitten wurden, mit Kerzenlicht. Mit diesen beleuchteten Bildern zog König durch Mitteleuropa.

Noch weiter zurück in die Zeit geht das Rijksmuseum Amsterdam mit seiner Winterausstellung zu Maurits, dem Prinzen von Oranien, die vom 1. Dezember bis zum 18. März das Leben und Wirken des brillanten Strategen und Kunstliebhabers ausbreitet. Noch weiter zurück in die Vergangenheit geht die große Sonderausstellung "Der Weg zum Himmel" in der Nieuwe Kerk, die die Reliquienverehrung des Mittelalters zum Thema hat und kostbare Schätze aus jener Zeit zeigt (16. Dezember bis 22. April).

Ein weiteren Zeitsprung macht das Allard Pierson Museum mit seiner Ausstellung "Herrscher am Nil" (9. Dezember bis 12. März), die den Einfluss der römischen Herrscher auf das Alltagsleben der Ägypter gebracht hat.

Weitere Ausstellungen verzeichnet der Folder "Amsterdam Winter Adventure". Darin aufgeführt sind Angebote (von zwei Nächten zu 148 Gulden pro Person in einfachen Hotels bis zu Fünf-Sterne-Arrangements, die bei 397 Gulden pro Person beginnen. Im Preis ist der Amsterdam Kulturpass mit Gutscheinen enthalten).

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