Zeitung Heute : Hollande verschreckt die Märkte Mögliche Machtwechsel

in Paris und Den Haag.

Berlin - An den Börsen wächst die Sorge, dass die Euro-Länder in ihren Sparanstrengungen nachlassen könnten. Der mögliche Machtwechsel in Frankreich und die Regierungskrise in den Niederlanden verunsicherten am Montag viele Anleger. Der Dax verlor am Montag 3,4 Prozent und schloss bei 6523 Punkten. Der EuroStoxx50, der 50 große börsennotierte Unternehmen der Euro-Zone beinhaltet, büßte ebenfalls annähernd drei Prozent ein. „Wenn der Sozialist François Hollande auch in der zweiten Runde gewinnt, könnte das Misstrauen gegenüber dem Euro und den europäischen Märkten weiter wachsen“, sagte Roger Peeters, Analyst beim Bankhaus Close Brothers Seydler, der Nachrichtenagentur Reuters. Hollande hatte im Wahlkampf angekündigt, den europäischen Fiskalpakt nachverhandeln zu wollen.

Dass der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte am Montag zurücktrat, nachdem seine Minderheitsregierung mit ihrem Sparkurs gescheitert war, birgt dem Unicredit-Analysten Christian Stocker zufolge ebenfalls das Risiko eines abnehmenden europäischen Sparwillens: „Denn bisher waren die Niederlande ein stabiler Partner in der Euro-Zone.“ Ruttes bürgerliche Koalition war im Parlament auf Stimmen der rechtspopulistischen Freiheitspartei PVV von Geert Wilders angewiesen, der Haushaltskürzungen zur Einhaltung des EU-Stabilitätspakts ablehnt. Die EU-Kommission pocht dennoch auf einen strikten Sparkurs: Das Land müsse die Obergrenze beim Haushaltsdefizit von drei Prozent auch nach einem möglichen Wechsel der Regierung einhalten, sagte ein Sprecher.

Außerhalb der Euro-Zone stehen Regierungen ebenfalls wegen ihres Sparkurses unter Druck. In Tschechien, wo die Mitte-rechts-Regierung auch wegen ihrer strikten Sparpolitik in die Kritik geraten ist, muss womöglich neu gewählt werden. Favorit wären die oppositionellen Sozialdemokraten, die die Sparmaßnahmen in Teilen rückgängig machen wollen.

Die Bundesregierung versuchte indes, Sorgen zu zerstreuen: Im Großen und Ganzen sei die Zustimmung zum Sparkurs zunehmend, sagte der Sprecher des Finanzministeriums, Martin Kotthaus.jul/rtr

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