Zeitung Heute : Holzkähne unter Wasser

Der Tagesspiegel

Lübbenau / Burg. Kahnfährmann Sven Arndt aus Burg verbeißt sich das Lachen. Gerade haben Touristen aus Berlin gefragt, ob ihm konkurrierende Kollegen schon einmal ein Boot versenkten, beschädigten oder gar stahlen. Davon hätten sie in der Zeitung gelesen, vom Krieg der Fährleute. „Wenn so etwas Besucher anlockt, können wir das gern organisieren“, spöttelt der junge Mann.

755 Kahnfährleute sind momentan im Spreewald registriert. Im vergangenen Jahr haben sie 1,2 Millionen Menschen befördert. Das freundliche Osterwetter bescherte dem Spreewald einen guten Saisonstart für 2002. „Es kommen nach wie vor viele Berliner“, sagt Peter Stephan, der Geschäftsführer vom Fremdenverkehrsverband Spreewald, „aber auch die Sachsen erinnern sich wieder an ihr traditionelles Wochenend-Ausflugsziel.“

Einen „Krieg“ zwischen den Kahnfährleuten in Lübbenau und Burg kann Stephan nicht ausmachen, einen gesunden Wettbewerb schon. Fährmann Sven Arndt kennt das von Kindheit an nicht anders: „Die meisten Touristen aus Berlin und dem Norden kamen natürlich nach Lübbenau, weil sie dem ersten Hinweisschild auf der Autobahn folgten. Aber jetzt hat sich herumgesprochen, dass es auch in Burg, Leipe, Schlepzig und anderswo sehr schön ist, weil es da weniger Massentourismus gibt.“ Immer mehr Ausflügler bevorzugen ohnehin individuelle Bootstouren, Nachtfahrten oder spezielle Ausflüge mit dem Kahn. Der Fremdenverkehrsverband bietet im Winter entsprechende Schulungen an.

Natürlich gibt es zwischen manchen Fährleuten persönliche Reibereien, sagt Steffen Franke von der Genossenschaft der Kahnfährleute in Lübbenau. Aber die Holzkähne, die momentan überall vollgelaufen im beziehungsweise unter Wasser liegen, wurden keineswegs von Konkurrenten versenkt. Vielmehr müssen sie nach dem Teer-Anstrich im Frühling zwei Wochen im Wasser quellen. Sandra Dassler

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