HORROR-METALSlipknot : Masken des Bösen

Alexandra Distler

Und sie kommen doch. Nach Berlin. Zum einzigen, letzte Woche angekündigtem Deutschland-Konzert. Die Band Slipknot (übersetzt: Laufknoten, eine Art Henkersknoten) aus Des Moines, Iowa. So überraschend, weil es noch letztes Jahr, als Bassist Paul Gray an einer Überdosis Schmerzmittel und schweren Herzproblemen gestorben war, hieß, die Band nehme eine zweijährige Auszeit. Überraschend auch, weil bis vor kurzem gar kein Deutschland-Gig geplant war. Nun steht aber mit Slipknot Gründungsmitglied Donnie Steele ein guter Freund des verstorben Paul Gray am Bass, die Tour startet in Athen und endet bei Rock in Rio im September. Und die Fans sind glücklich.

Wie bei vielen anderen Metal-Bands, im Gegensatz zu manch kurzweiligen Pop-Leuchtfeuern etwa, ist es auch bei Slipknot nämlich vor allem die Treue ihrer Fangemeinde, die ihnen seit 1995 Beständigkeit und Erfolg garantiert. Belohnt wird dieses Fantum wiederum mit Beständigkeit seitens der Band. Im Falle von Slipknot aggressiver, harter Alternative-Metal-Sound und ihrem eingängigsten Markenzeichen: eine theatralische, halloweeneske Bühnenshow, bei der alle neun Mitglieder der Band mit gesichtsverhüllenden Masken auftreten und so die ganz bösen Buben mimen. Was ihnen in der Vergangenheit durchaus Probleme bereitete. Wie Marilyn Manson und Rammstein standen auch Slipknot, ihre Musik, ihre Texte, ihr martialisches Auftreten, unter dem Verdacht, mitverantwortlich für Amokläufe Jugendlicher zu sein. Dass dies unglaublicher Humbug ist, ist mittlerweile erwiesen. Und auch, dass die neun Bandmitglieder unter ihren Horror- Masken eigentlich sehr nette Jungs sind.

Alexandra Distler

Columbiahalle, Di 21.6., 20 Uhr, 54,40 €

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