Horst Schlämmer : Das Projekt 18 Prozent

Helmut Schümann

Aus gegebenen Anlass sei noch mal an das „Projekt 18“ erinnert, mit dem die FDP, die damalige Spaßpartei, im Wahlkampf 2002 scheiterte. Die 18 ist bei uns als Schwellenzahl bekannt. Wer 18 ist, darf wählen, den Führerschein machen, ist im richtigen Leben angekommen, ist offiziell erwachsen. So gesehen pubertiert die FDP noch heute, auch wenn sie sich derzeit wieder an die Schwelle wagt.

Die HSP ist da schon weiter. Die HSP würde, träte sie denn zur Wahl an, auf Anhieb auf 18 Prozent in diesem Lande kommen. Das hat soeben eine Forsa-Umfrage ergeben. 18 Prozent, das ist in etwa das derzeitige realistische Wahlziel der SPD. Damit zöge die HSP locker in den Bundestag ein, wäre mit ihrem breitgefächerten Profil ein interessanter Koalitionspartner: „konservativ, links, liberal, grün“. Aus dem Stand heraus. Mit nur einem einzigen Parteimitglied. Und der, die Kröte müsste Frau Merkel, müsste Herr Steinmeier schlucken, hat selbst Machtansprüche: „Isch kandidiere“, sagt er, und „Ja, isch will Bundeskanzler werden.“ Horst Schlämmer, der Journalist, der Kandidat.

18 Prozent würden die HSP, würden Horst Schlämmer ihre Stimme geben, bei den Erst- und Jungwählern bis 25 Jahre sind es sogar satte 25 Prozent. Schlämmers selbstbewusstes und an Obama orientiertes Credo hat seine Sogwirkung nicht verfehlt: „Yes, weekend!“ Horst Schlämmer aus Grevenbroich (ohne i gesprochen) ist der shooting star der deutschen Politik. Noch hat er sich nicht dazu geäußert, wie er seine Versprechungen halten und finanzieren will: „Sie sagen, wat Se woll’n, und dann kriegen Se dat“. Aber warum soll Schlämmer konkret werden, wenn es Steinmeier mit seinem „Deutschland-Plan“ auch nicht wird, und die Kanzlerin in Fragen der Inhalte auch eher innehält und ihre Parteifreundin aus Berlin-Kreuzberg dabei mehr an Körbchengrößen denkt?

Recht haben sie wohl alle. Inhalte? Wer will noch Inhalte, Pläne, Ziele? 18 Prozent der Deutschen wollen das alles nicht, schauen nicht auf Parteiprogramme, bewerten keine Taten, wollen keinen Blick nach vorne, wollen offensichtlich überhaupt nichts, was gemeinhin Politik heißt. Wahrscheinlich, weil sie beliebig ist, so beliebig, dass auch die HSP fähig erscheint. Wie gut für die Parteien, dass die HSP nicht antritt, nur fiktiv ist und ein Scherz in einem Film. Real ist alleine der Umfragewert. Das alleine kann ein bisschen Angst machen.Helmut Schümann

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