Zeitung Heute : Hotel Adlon darf seinen Namen behalten

Der Tagesspiegel

Von Cay Dobberke

Mitte. Das Hotel Adlon am Pariser Platz darf seinen traditionsreichen Namen weiter führen und muss ihn nicht dem Gastronomen Mehdi Sharif überlassen. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe entschied am Freitag, das 1997 wiedereröffnete Luxushotel habe die älteren Rechte. Trotzdem ist der Streit noch nicht beendet. Sharif nannte das Urteil auf Anfrage „verfassungswidrig“ und kündigte an, „selbstverständlich“ eineBeschwerde beim Bundesverfassungsgericht einzulegen.

Darüber hinaus will der Gastronom „in drei bis vier Wochen“ ein neues „Café Adlon Berlin“ am Kurfürstendamm 100/Ecke Joachim-Friedrich-Straße eröffnen. Die Bauarbeiten für das bislang namenlose Bistro laufen seit Monaten (wir berichteten). Dagegen gehört das frühere Café Adlon am Adenauerplatz, das Sharif 1982 gegründet hatte, inzwischen einem anderen Wirt. Dieser montierte die Adlon-Schilder im Frühjahr 2000 ab.

Sharifs Ideen reichen weit über sein geplantes Bistro am Kurfürstendamm hinaus: Unter dem Namen „Adlon Express“ plant er sogar eine überregionale Kaffeebar-Kette; sein Partner ist die Firma FSM Gaststätten-Betriebs-GmbH. Die Lokale sollen in Warenhäusern und Bahnhöfen entstehen. „Am kommenden Montag habe ich ein Gespräch mit einem Kaufhauskonzern“, sagte Sharif. Auch mit der Deutschen Bahn habe es erste Gespräche gegeben, allerdings noch ohne Ergebnis.

Die Adlon-Eigentümerfirma Fundus zeigte sich über diese Ankündigungen erstaunt. „Nach dem Urteil gehört der Name Adlon uns allein“, sagte Unternehmenssprecher Peter Clever. Sollte der Gastronom seine Pläne umsetzen, „werden wir unsere Anwälte einschalten“.

Der seit Jahren andauernde Gerichtsstreit hatte begonnen, weil Sharif dem 1997 eröffneten Hotelneubau die Verwendung des alten Namens verbieten lassen wollte. Er berief sich auf einen Markenschutz, den ihm das Patentamt München 1990 gewährt hatte. Doch das Land- und das Kammergericht wiesen seine Klage ab – ebenso wie jetzt der BGH. Denn die Kempinski-Gruppe, die das Hotel am Brandenburger Tor betreibt, hatte den Namen bereits in den 50er Jahren von der Familie Adlon erworben und 1994 an Fundus weiterverkauft.

Der für Markenrecht zuständige 1. Zivilsenat des BGH verwies am Freitag auf die Bedeutung des ursprünglichen Hotels. Dieses war 1907 von Lorenz Adlon eröffnet worden, aber 1945 abgebrannt. „Die Erinnerung an das berühmte Hotel ist trotz der Stilllegung des Unternehmens für einen Zeitraum von 50 Jahren in der Bevölkerung erhalten geblieben“, befanden die Richter. Deshalb werde der Name „wieder dem auf dem ursprünglichen Grundstück neu errichteten Hotel zugeordnet“. Zwar sei der Schutz der Bezeichnung nach 1945 „zunächst verlorengegangen“, doch werde diese Phase nun „ausnahmsweise überbrückt“. Schließlich sei es durch die deutsche Teilung lange unmöglich gewesen, den Betrieb im Osten Berlins wieder aufzunehmen. Es handele sich also um keine „selbstbestimmte unternehmerische Entscheidung“.

Von Fundus hieß es, das Gericht habe dem Firmenchef Anno August Jagdfeld besonders mit dem Hinweis auf die andauernde Berühmtheit des Hotels „ aus dem Herzen gesprochen“.

Gastronom Sharif hatte die Auseinandersetzung stets als einen Kampf zwischen „David und Goliath“ bezeichnet. Dazu komme eine „grundsätzliche Bedeutung“ für das Markenrecht. Nach Meinung des Wirts handelt es sich um ein „politisches Urteil“, weil die Richter die deutsche Teilung berücksichtigten. Sein eigenes Recht, den Namen Adlon weiter zu verwenden, leitet Sharif aus der noch unveränderten Eintragung beim Patentamt ab. Um diese widerrufen zu lassen, müsse Fundus erst noch einen weiteren Prozess anstrengen, glaubt Sharif. Alle Einzelheiten des Urteils wird er allerdings erst in den kommenden Wochen erfahren, wenn die schriftliche Begründung vorliegt.

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