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Die Auswahl an Business-Sprachkursen für den PC ist groß. Wichtig: Der Spaß sollte nicht zu kurz kommen

Kurt Sagatz

Wie schön wäre es, die einst erlernte Fremdsprache zu perfektionieren? Doch den meisten Berufstätigen fehlt häufig die Zeit, regelmäßig Kurse an der Volkshochschule oder einem privaten Institut zu belegen. Wer nach seinem eigenen, individuellen Lernplan vorgehen möchte, ist mit Sprachkursen für den PC oftmals besser bedient.

Das Angebot ist äußerst umfangreich – das gilt nicht nur für die Anzahl an verschiedenen Kursen, sondern auch für die Lernverfahren. So gibt es Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene, für den beruflichen Spracheinsatz oder für den Urlaub. Darüber hinaus werden unterschiedlichste Vokabeltrainer angeboten, sogar in Form des beliebten PC-Spiels „Solitär“ (Cornelsen). Man kann seine Sprachfähigkeiten aber auch mit interaktiven Sprachhörbüchern verbessern, die man auf dem Computer hören und lesen kann, sogar mit individueller Sprachgeschwindigkeit. Das Neueste sind Sprachtrainer für MP3-Player.

Die Stiftung Warentest hat in einem Praxistest ermittelt, was Sprachlernkurse für Business English taugen. Das Gesamtergebnis ist ermutigend: Auch wenn die PC-Programme noch nicht in allen Punkten perfekt sind, lässt sich mit einigen Kursen „eine fast perfekte Kommunikation in Englisch erlernen, vom Smalltalk bis zum knallharten Verhandeln“, so die Einschätzung der Warentester („test“ 8/2003).

Das beste Ergebnis erzielte das Programm „Business English – Intensivkurs für Karriere und Beruf“ von Digital Publishing. Vor allem die Spracherkennung wurde gelobt. Dabei werden fehlende Wörter per Mikrofon in einen Lückentext eingesprochen. Das Programm teilt dem Lernenden über eine Prozentanzeige mit, wie nah er an die richtige Aussprache kommt. Der Intensivkurs umfasst die verschiedensten Bereiche vom Verfassen von Briefen und E-Mails über Präsentationen bis hin zu Verhandlungen, Meetings und Telefonaten. Inzwischen werden Teile des Komplettkurses auch als Einzelprogramme angeboten, unter anderem für die Themen Telefonate, Meetings, Verhandlungen und Präsentationen. Die Einzelprogramme liegen dann bei rund 30 Euro.

Der Intensivkurs Business English erhielt auch in einer von der Universität Leipzig begleiteten Studie eine gute Note. Anders als die Stiftung Warentest stand nicht der Selbstlerner im Fokus dieser Untersuchung. Vielmehr wurde getestet, wie sich die Business-English-Programme im berufsbezogenen Unterricht machen. Den ersten Platz belegte in diesem Test das Programm „Tell me more“ von Auralog. An diesem Business-English-Programm gefiel den Testern besonders die sehr komplexe Unterstützung durch den virtuellen Tutor, der den Lernenden durch das Programm führt. Auch die umfangreichen Optionen, mit denen individuelle Lernwege beschritten werden können, wurde positiv hervorgehoben. Für den Lernerfolg ebenfalls nicht zu unterschätzen ist, dass dieses Programm „viele Komponenten der Entspannung und des Humors“ enthält, wie es die Studie ausdrückt. Oder wie es bei Stiftung Warentest heißt: „Der meiste Spaß mit ,Tell me more‘ “. Deren Tester – Studenten mit Schulenglischkenntnissen – lobten vor allem die große Themenvielfalt von Grammatik bis Landeskunde und das ansprechende Design des Programms mit der übersichtlichen und einfachen Navigation. Dass „Tell me more“ beim Test der Stiftung nicht den ersten Platz erreichte, lag an den höheren Anforderungen an den Lernenden. Für Anfänger sei dieses Programm nicht geeignet, obwohl Auralog dies auf der Verpackung verspricht, bemängelten die Warentester.

Anspruchsvoll in Hinblick auf das Vorwissen, aber ebenfalls didaktisch gut durchdacht, ist auch das Programm „Career Strategies“, das vom Cornelsen-Verlag in Kooperation mit dem britischen Verlag Oxford University Press entwickelt wurde. Allerdings erfordert das Programm nicht nur Grundkenntnisse in Wirtschaftsenglisch. Es ist nach Ansicht der Leipziger Studie zudem nicht für jede Berufsgruppe gleichermaßen gut geeignet. Die Einbettung der Lernsituationen in einen virtuellen Lebensmittelkonzern hilft zwar Lernenden aus Berufen rund um den Handel, dagegen kämen Berufe aus den Bereichen Finanzen, Steuern oder Veranstaltungen zu kurz.

Voraussetzungen stellen die Lernprogramme jedoch nicht nur an den Lernenden, sondern auch an den Computer: In den meisten Fällen werden nur PCs mit dem Betriebssystem Windows (auch ältere Versionen ab Windows 98) unterstützt. Apple-Nutzer oder Linux-Fans bleiben dagegen außen vor. Zudem muss der Computer multimedia-fähig sein, um einerseits das zum Teil in Form von Videos eingebaute Lernmaterial abspielen zu können und andererseits gute Sprachaufnahmen zu erlauben. Die meisten Computer, die nicht älter als drei bis vier Jahre sind und über ein CD-ROM-Laufwerk und eine Soundkarte verfügen, erfüllen diese Anforderungen.

Eine besondere Bedeutung bei allen Sprachlernprogrammen hat das Mikrofon. Einfache PC-Mikrofone verzerren mitunter die Sprachaufnahme, so dass es den Programmen nicht möglich ist, die Sprachfähigkeiten richtig zu beurteilen. Zudem kann es beim Einsatz von einfachen Mikrofonen zu Rückkoppelungen mit den Boxen kommen. Die besten Ergebnisse erzielt man mit Headsets, also einer Kombination von Kopfhörer und Mikrofon. Durch die Kopfhörer ist es möglich, auch feine Nuancen in der Aussprache wahrzunehmen. Das direkt in Nähe des Mundes befindliche Mikrofon kann die Stimme des Lernenden störungsfrei aufnehmen. Allerdings gilt: Wer für ein Lernprogramm bis zu hundert Euro ausgibt, sollte auch beim Headset lieber einige Euro mehr in die Hand nehmen. So versteht man bei Headsets mit Stereokopfhörern nicht nur besser, sie tragen sich auch deutlich angenehmer.

Ein wenig eingerostete Sprachkenntnisse aus Schulzeiten und technische Anforderungen an den PC sind somit in den meisten Fällen kein Hinderungsgrund. Damit ist auch mit der Disziplin klappt, sprechen gute Sprachlernkurse für den PC zudem die Sinne auf unterschiedliche Art und Weise an. Den besten Lernerfolg allerdings verspricht nach wie vor eine Kombination der verschiedenen Medienformen wie Computer, Buch oder Hör-CD – und natürlich vor allem das praktische Nutzen der per Software erlernter Fähigkeiten.

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