Zeitung Heute : Hubertus von Wulffen, einer der Geschäftsführer des Stadtinformationsdienstes, im Interview

Nach massiver Kritik auch des Abgeordnetenhauses h

Hubertus Von Wullfen (36) verstärkt seit einigen Wochen die Geschäftsführung des Stadtinformationssystems Berlin.de, des Gemeinschaftsprojekts von Senat und debis. Er ist zuständig für die Bereiche Content, Marketing, Vertrieb und Finanzen. Über seine Ziele für die nächste Entwicklungsphase von Berlin.de sprach Kurt Sagatz mit ihm.

Nach massiver Kritik auch des Abgeordnetenhauses hat Berlin.de Mitte letzten Jahres den Internet-Auftritt sichtlich verbessert. Wie geht es jetzt weiter mit dem Stadtinformationssystem?

Wir werden zwar nicht in Kürze einen kompletten neuen Relaunch vornehmen können. Dass ist bei 30 000 Seiten nicht auf die Schnelle zu machen. Bis April soll jedoch die Komplexität des Angebots drastisch reduziert werden. Unser Problem sind nämlich nicht die Inhalte, davon haben wir genug. Es dauert bloß zu lange, die gesuchten Seiten zu finden. Wir schauen uns derzeit um, wie heute eine State-of-the-Art-Navigation aussieht und werden in den nächsten Wochen und Monaten unser Portal umstrukturieren. Das wird auch für die Inhalte der Verwaltungen, mit der wir eng zusammenarbeiten, gelten.

Ein Relaunch in 1999, eine Neustrukturierung in 2000. Dabei soll mit Berlin.de langfristig doch auch Geld verdient werden. Wann wird das denn sein?

Unser Ziel ist es, bis 2002 eine schwarze Null zu schreiben. Bis dahin haben wir noch erhebliche Investitionen vor uns, das wissen auch die Gesellschafter. Insgesamt muss man für die ersten vier bis fünf Jahre mit einer Größenordnung von zusammen über 60 Millionen Mark rechnen.

Neben der Werbung will Berlin.de über die integrierte Shopping-Mal Geld verdienen. Wie weit sind Sie damit schon gekommen?

Bislang lag der Fokus darauf, Berliner Unternehmen eine sehr einfache Möglichkeit zu geben, in den E-Commerce einzusteigen. Das werden wir auch weiterhin anbieten. Jetzt soll das Angebot für die User deutlich verbreitert werden. Das werden wir nicht nur mit kleinen Shops schaffen, sondern diskutieren auch mit größeren Partnern.

Berlin.de ist nicht die einzige Seite, die für sich in Anspruch nimmt, ein Portal für die Internet-Nutzer zu sein. Wie verträgt sich das?

Eine Stadt wie Berlin braucht mehrere Portale. Neben Berlin.de, Berlin Online und MeinBerlin.de gibt es schließlich noch viel mehr vor allem für Special-Interest-Gruppen. Anders als Berlin Online und MeinBerlin verstehen wir uns dabei als General-Interest-Anbieter. Das ist schließlich auch unser Auftrag.

Bevor sie nach Berlin kamen, haben Sie lange Jahre in München gearbeitet. Unterscheiden sich die Nutzer in diesen Regionen?

Echte Unterschiede habe ich nicht erkennen können. Es gibt zwar unterschiedliche Reifegrade der Angebote, die sich auch auf das Nutzungsverhalten auswirken. Aber Unterschiede bei den Nutzern sehe ich nicht. Allerdings fasziniert mich, wie gerade auch die Gründerszene, die sich in vergangenen Jahren eher in Städten wie Köln, Hamburg und München abgespielt hat, sich zunehmend in Berlin einfindet. Spannende Unternehmen wie dooyoo oder eBay. Es ist schon signifikant, was in den letzten zwei Jahren passiert ist. Die Szene hat noch mehr Dynamik, als man es aus Hamburg oder München kennt.

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