Zeitung Heute : Huch, wo sind denn die anderen? Philipp Köster gibt Tipps für den nächsten Autokorso

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So schnell kann es gehen. Bis zum 9. Juni dachten sicher noch zwei Drittel aller Deutschen, Korso sei eine griechische Insel. Heute setzen sich nach deutschen Siegen Hunderttausende routiniert in ihre Autos und fahren mit der Hand auf der Hupe durch die Ausfallstraßen.

So weit, so südländisch. Doch immer wieder zerstreuen sich die Korsos schon nach wenigen Minuten wieder, weil es den Teilnehmern an der nötigen Disziplin und Ausdauer fehlt. Sicher, wir haben nicht die Erfahrung. Der Italiener beispielsweise bildet zu jedem Anlass (Neuwahlen, Juventus steigt ab, Strom geht wieder) eine Autoschlange.

Schauen wir also rasch in unseren Ratgeber „Autokorso für Anfänger“. Der fordert als Erstes natürlich Disziplin. Ein Autokorso ist nämlich nicht der richtige Ort, um mal zu zeigen, was die eigene Karre so an Pferdchen unter der Haube hat. Spätestens nach einer halbstündigen Tempofahrt fragen sich die Insassen: „Huch, wo sind denn die anderen!“ Außerdem immer auf das Vorderauto achten. Wenn sich der Korso schon seit zwanzig Minuten nicht mehr fortbewegt, schnell mal aussteigen und gucken, vielleicht wartet man versehentlich hinter einem parkenden Auto. Überhaupt sollten Feierkorsos nur auf großen Straßen mit Fußballgängerverkehr veranstaltet werden. Eine Stunde lang lärmend mit nur drei Autos um den eigenen Häuserblock in der Vorstadt herumkurven ist ein freudloses Vergnügen und bringt nur die Omas in der Nachbarschaft um den Schlaf. Und schließlich: mehr Rhythmus beim Hupen. Erwartet ja niemand komplexe Melodiestrukturen oder Viertonexperimente, aber etwas mehr Taktgefühl wäre schon fein.

Damit wir zum Finale sagen können: So hupt ein Weltmeister.

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