Humboldt Universität : Luftkissenboote aus Transparentpapier

An der HU können Eltern und Großeltern lernen, wie man mit Kindern naturwissenschaftlich spielt.

Ljiljana Nikolic
Auf Wasser gebaut. Zehn Gramm Papier können zwei Kilo Steine tragen.Foto: Prusowski
Auf Wasser gebaut. Zehn Gramm Papier können zwei Kilo Steine tragen.Foto: Prusowski

Wie fängt man am geschicktesten an? Auf dem langen Tisch liegen unterschiedliche Arten von Papier: transparentes, weißes, buntes, schweres, leichtes. Die Aufgabe ist klar: Das Boot, das entstehen soll, darf nicht schwerer als zehn Gramm sein – inklusive Klebstoff. Und es soll am Ende im Wasser schwimmen und viele kleine Kieselsteine tragen. Die „Bootsbauer“ rund um den Tisch sind eigentlich gar nicht mehr in dem Alter, in dem man Papierboote bastelt. Es sind Eltern und Großeltern, die praktisch lernen wollen, „wie man mit Kindern naturwissenschaftlich spielt“. So lautet der Titel des Workshops, den das Unilab Adlershof der Humboldt-Universität in Zusammenarbeit mit der Technologiestiftung Berlin (TSB) in unregelmäßigen Abständen anbietet und der sich an Erwachsene richtet. Nur an Erwachsene!

Diese rotieren an diesem Abend durch drei verschiedene Stationen im Universitätsgebäude am Hegelplatz der HU und werden angeleitet, mit einfachen Utensilien Experimente durchzuführen und „im Tun die Dinge zu begreifen“, wie Lutz-Helmut Schön, Physikdidaktiker und Gründer des UniLab, erklärt.

Bevor sie mit dem Bootbasteln beginnt, nähert sich eine junge Mutter erst einmal dem Wasserbecken, wo unterschiedliche Plastikbehälter mit Steinen beladen und auf ihre Tragfähigkeit getestet werden können. In einem anderen Becken werden aus Knete geformte „Bootsrümpfe“ getestet. „Ein Klumpen Knete geht unter. Formt man ihn wie eine Schale, schwimmt er“, verdeutlicht Matthias Hesse. Er ist abgeordneter Lehrer am Unilab, an diesem Abend fischt er Steine aus dem Wasser, wiegt sie und steht beratend zur Seite. Manche Teilnehmer rücken mit Luftkissenbooten aus Transparentpapier an, andere mit quadratischen Gefäßen, dritte bevorzugen die klassische Segelbootform, um sich im Bootswettbewerb zu messen. „Zehn Gramm Papier können über zwei Kilogramm Kieselsteine tragen“, sagt Hesse. Eine Teilnehmerin schafft an diesem Abend 2,5 Kilo mit einem verstärkten Boot.

Es ist das fünfte Mal, dass das Unilab und die Technologiestiftung einen Workshop dieser Art anbieten. „Unsere Experimente sind für Kinder ab acht Jahren konzipiert und sollen von den Erwachsenen nur angeleitet werden, damit Kinder selbstständig zu eigenen Erkenntnissen kommen“, erklärt Wiebke Krambeck, Leiterin des Unilab. Beim Workshop führt sie die Teilnehmer anhand von Experimenten mit Tuschfarben, rotierenden Farbscheiben und Glühbirnen in die Geheimnisse der Farbmischung ein.

Experimente dieser Art werden im Unilab auf dem Campus Adlershof ersonnen. Das Schülerlabor ist außerschulischer Lernort für Schüler, Kompetenzzentrum für Lehrer und bereichert die Ausbildung von Studierenden. Im Unilab finden regelmäßig Module für Schulklassen statt. Studierende können als Betreuer einer Gruppe teilnehmen. Außerdem entwickeln Studierende, Lehrer und Fachdidaktiker zusammen fächerübergreifende Lerneinheiten und Module.

Physikstudent Philipp Reichert beweist sein didaktisches Können auch im Rahmen des Workshops. Es beginnt mit einer Kiste, die nicht vom Tisch fällt, obwohl sie nur mit einer Ecke drauf liegt. Schritt für Schritt werden die Zuhörer von einem Experiment zum anderen geleitet, bis sie am Ende definieren können, was ein Schwerpunkt ist und erkennen, dass er auch „in der Luft“ liegen kann. Am Ende wird wieder gebastelt. Es entsteht ein Schmetterling auf einem Holzspieß, den man auf einem Finger balancieren kann. Mit diesem und einem detaillierten Anleitungsheft im Gepäck gehen die Teilnehmer nach Hause. „Solche Experimente sind viel besser als vor dem Computer zu sitzen und Schaltflächen anzuklicken“, sagt Renate Herzig, die ihr neues Wissen bei ihren zwischen sieben und vierzehn Jahre alten Enkeln einsetzen möchte. Ljiljana Nikolic


Infos und Termine im Internet: www.unilab-adlershof.de und www.berliner-wissenswerte.de

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