Humboldtforum : Müllers Pläne sind ein Befreiungsschlag

Bisher hatte Michael Müller zu kulturellen Dingen noch gar nichts gesagt. Mit seinen Plänen für das Humboldtforum zeigt der Regierende Bürgermeister endlich Engagement, Interesse, fast schon Leidenschaft. Und das ist auch gut für das Forum. Ein Kommentar.

Es wurde Zeit, dass sich Michael Müller auch zu kulturellen Fragen äußerte.
Es wurde Zeit, dass sich Michael Müller auch zu kulturellen Fragen äußerte.Foto: dpa

Als der Bundestag 2002 für den Neuaufbau des Berliner Stadtschlosses stimmte, war es eine Mogelpackung. Was sollte darin denn Platz finden? Welche Symbolik wollte man bedienen – mit einer Royalistenburg im Herzen der Hauptstadt der Bundesrepublik? Die faszinierende Vorstellung von einem Humboldtforum in Berlin brauchte Jahre, um sich durchzusetzen. Nach wie vor sagen die meisten Menschen: das Schloss.

Es war Klaus-Dieter Lehmann, damals Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der die Idee mit den Humboldts hatte. Der dem kalten Gefäß Geist und Verstand einschenkte. Und Fantasie. Ein Zentrum der weltkulturellen Präsentation und Verständigung, das liegt so nahe. Aber immer noch vermittelt sich der Plan nur langsam und lückenhaft.

Jetzt gibt es eine neue Idee. Sie stammt vom Regierenden Bürgermeister Michael Müller. Er schlägt vor, im Humboldtforum auch Berliner Geschichte zu erzählen. Nicht stadtmuseal oder provinziell, sondern mit globalem Blick. Müllers Konzept, mit Experten erarbeitet, will im Wesentlichen innovative Berliner Köpfe ausstellen; Künstler, Wissenschaftler, Reformer, Universaldenker und Netzwerker der Bildung wie Alexander und Wilhelm von Humboldt. Die Aufgabe lautet: Was hat Berlin der Welt gegeben – die Stadt, von der auch so unfassbar viel Terror und Elend ausgegangen sind?

Bisher hatte Michael Müller zu kulturellen Dingen noch gar nichts gesagt. Es war ein lautes, unangenehmes Schweigen: Hat der Neue im Roten Rathaus denn überhaupt keine Antenne für das Fluidum der Stadt, fragten sich viele. Seine Pläne für das Humboldtforum sind ein Befreiungsschlag. Für ihn selbst, da er bekanntlich auch als Kultursenator amtiert. Endlich zeigt er Engagement, Interesse, fast schon Leidenschaft. Und es ist gut für das Forum.

Der Regierende versichert, dass sich durch die Umplanung nichts verzögert

Der neue Spielplan betrifft allerdings nur die Fläche, auf der sich das Land Berlin tummelt; es ist der weitaus kleinere Teil des gesamten Ausstellungsareals. Die Präsentation der außereuropäischen Sammlungen und der Humboldt-Universität sind davon nicht direkt berührt. Der Regierende versichert, dass sich durch die Umplanung nichts verzögert oder verteuert. Das wird zu prüfen sein. Inhaltlich wirkt die Vorlage ausgereift. Sie verankert das Forum in der Stadt und zeigt an einem Ort, an dem 1848 die Demonstranten zusammengeschossen wurden, Traditionslinien von Freiheit und Kreativität. Aber der Bund und die Gremien müssen dem Konzept zustimmen. Bald kommt auch noch ein Intendant ins Haus, der sicher seine eigenen Ideen hat.

Es gibt im ganzen Land kein kulturelles Projekt, das komplexer, bedeutender wäre

Kulturstaatsministerin Monika Grütters begrüßt Müllers Vorstoß mit List: Berlin entwickele den Ehrgeiz, „sich in das Große und Ganze besser einzufügen“. Wenn Müller dabei bleibt, hat der Bund für den 600-Millionen-Euro-Bau endlich einen ernst zu nehmenden Partner.

Es gibt im ganzen Land kein kulturelles Projekt, das komplexer, bedeutender wäre. In drei Monaten ist Richtfest, in vier Jahren Eröffnung. Glauben wir einfach mal daran. „Berlin muss das Labor werden, in dem gezeigt wird, wie in einer globalen Stadt ethnische, religiöse und nationale Vielfalten friedlich miteinander leben können. Wir leben in einer Welt, in der Toleranz eine Grundvoraussetzung ist für Frieden.“ So schrieb der frühere UN- Politiker Klaus Töpfer zum 25. Jubiläum des Mauerfalls in dieser Zeitung. Genau darum geht es beim Humboldtforum.

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