Zeitung Heute : "I love you"-Virus: Erste Festnahme in Österreich - Wiesbadener BKA macht einen der Urheber ausfindig

Der Urheber und Verbreiter einer heimtückischen Variante des "I love you"-Computervirus ist in Österreich festgenommen worden. Wie das Bundeskriminalamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, gestand ein 28-jähriger Österreicher am Dienstag der Polizei in Traiskirchen, die Virus-Variante "Antivirus-GmbH" geschaffen und über das Internet in die Welt gesetzt zu haben. Nach seiner Vernehmung wurde der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Empfänger der gefährlichen E-Mail erhielten nach Angaben des Bundeskriminalamtes mit ihr einen zusätzlichen Datenanhang, der angeblich eine Liste mit Namen von Love-Letter-Viren beinhaltete, die nicht geöffnet werden sollten. Dieser Dateianhang enthielt jedoch gleichzeitig einen modifizierten Quellcode des "I love you"-Virus, der unter anderem wichtige Systemdaten sowie Word- und Exceldokumente löscht.

Die Wiesbadener Behörde ermittelt seit dem 5. Mai im Auftrag von Bundesinnenminister Otto Schily und in Zusammenarbeit mit Polizeien anderer Länder gegen die Urheber des "I love you"-Virus und seiner Abkömmlinge. Aussagen zum Umfang der Verbreitung der Variante "Antivirus-GmbH" und zum Schaden, den sie angerichtet hat, sind nach Angaben des Bundeskriminalamtes derzeit noch nicht möglich.

Unterdessen machen sich die von den Internet-Attacken betroffenen Firmen und Hersteller von Software Gedanken über die Zusammensetzung der Hackerszene und deren Motive. Demnach ist der typische Internet-Zerstörer männlich, sehr jung und frustriert. Unter Decknamen wie Spyder oder Mafiaboy lebt er Allmachtgefühle in der Datenwelt aus. Ihn interessiert nicht der finanzielle Gewinn, den er daraus ziehen könnte, sondern der schlichte Beweis, dass er es kann - Firmen ausspionieren, Daten abzapfen und Computer-Anlagen lahmzulegen. Als "I love You" eine Schneise der Verwüstung in die internationalen Datennetze schlug, war das nur äußeres Zeichen dafür, dass Internet-Vandalen allgemein auf dem Vormarsch sind. Wenn sich allerorten die Experten Gedanken machen, wie sie dem Treiben Einhalt gebieten können, stehen sie ganz am Anfang. Die Szene ist schwer auszuleuchten, aber die Grundtypen zeichnen sich ab: Der gutmütige Hacker wird vom skrupellosen Cracker abgelöst.

Cracker oder Black hats lieben das Reich der Finsternis. Während die traditionellen Hacker gern über ihre Meisterleistungen reden, tun Cracker dies allenfalls unter Decknamen, geschützt durch falsche Fährten und Verschlüsselungen. Um in den Datennetzen Unheil anzurichten, bedürfe es keiner "allzu großen Fähigkeiten", klagt Bruce Schnier, ein Berater von Intel, Merrill Lynch und Microsoft. Nach den Erkenntnissen der Experten geht ein Großteil der Verwüstungen in den Datennetzen auf das Konto von Angestellten, die aus Frustration ihren aktuellen oder ehemaligen Arbeitgeber schädigen wollen. Sie wollen Rache üben und nutzen mit üblen Absichten die Passwörter und sonstigen Insider-Kenntnisse, die ihnen in guten Zeiten anvertraut wurden.

Auf das Wüten solcher Cracker schauen die traditionellen Hacker mit Verachtung. Sie haben sich jahrelang einen Sport daraus gemacht, Schwächen in Sicherheitssystemen mit dem alleinigen Ziel ausfindig zu machen, sie den Verantwortlichen mitzuteilen. Denn wenn sie in diesen Grauzonen genügend Kenntnisse gesammelt haben, bieten sie sich den einschlägigen Großunternehmen häufig als Mitarbeiter für Sicherheitsfragen an.

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