Zeitung Heute : IBAG: Für Klaus Groth ist der Krieg vorbei

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Wenn seine Ehre auf dem Spiel steht, so sagen Menschen, die ihn näher kennen, dann geht Klaus Groth aufs Ganze. Das Ganze, das ist Leben und Tod. Deshalb kann man auch sagen, dass bei den Spekulationen über die Schräglage seines Unternehmens die Welt für ihn in Gut und Böse, Freund und Feind zerfällt. Da Groth aber ein hemdsärmliger und eher lautstarker Zeitgenosse ist, erklärt er seinen Feinden den Krieg. Natürlich ist das sinnbildlich zu verstehen, auch wenn er es wörtlich so sagt. Und da die Kriegsschauplätze heutzutage Gerichtssäle sind, hat sich Groth die Dienste der besten Anwälte der Hauptstadt gesichert; ach was, aus ganz Deutschland. So erwehre er sich der "Kampagne" gegen ihn und sein Unternehmen. Ist die Kampagne nun vorbei, da er einen kapitalstarken Partner hat? Und was wird aus Groth und der Ex-Bankgesellschaftstochter IBAG?

"Wir standen vor der Entscheidung, unser Geschäft zurückzufahren oder einen strategischen Partner zu finden", sagt Klaus Groth. Seine Wahl war klar, denn er dreht gern ein großes Rad. Den starken Partner hat er nun: Die IBAG, ehemalige Immobilien-Tochter der Bankgesellschaft Berlin. Die IBAG verfügt über ein Kapital von rund einer Milliarde Mark. Und die IBAG besteht aus einem halben Dutzend agiler Bau- und Projekt-Gesellschaften. Mit der Groth-Gruppe mittenmang ist zusätzliche "Musike" drin. Daran ändern auch die Turbulenzen um die Art der Loslösung der IBAG aus dem Schoß ihrer Mutter, der Bankgesellschaft Berlin, nichts.

Im Gegenteil, die IBAG ist für jede Menge "Phantasie" gut, wie die Börsianer sagen. Weil sie ganz ohne Risiken aus alten Projekten dasteht. Ja, die IBAG könnte endlich einmal zu einer erfolgreichen unternehmerischen Initiative aus dem Dickicht der halböffentlichen Beteiligungsverhältnisse in Berlin werden. Vorausgesetzt die Nähe zur Bankgesellschaft Berlin und deren Mehrheitseigner, dem Land Berlin, führt nicht doch wieder zu einer Vermengung politischer und unternehmerischer Interessen.

Kommt der Tanz auf dem Parkett?

Denn die Bankgesellschaft Berlin und das Land als ihr 56,6-prozentiger Mehrheitseigner sind trotz des Verkaufs immer noch mit von der Partie. Und sie bringen deutlich mehr Gewicht auf die Waage, als die zehn Prozent Anteil an der IBAG vermuten lassen. Zusätzlich haben sie nämlich so genannte Optionen. Hinter dem Börsenjargon steckt eine Rücknahmeverpflichtung für den schlechtesten aller Fälle, zugleich aber eine "Gewinnprämie" im Erfolgsfall. Kurz, die IBAG könnte in den Schoß ihrer alten Mutter zurückfallen, wenn sich die IBAG Anteile nicht bis zum 15. Januar 2006 gewinnbringend an der Börse platzieren lassen. Zeichnet sich dagegen ein erfolgreicher Tanz auf dem Parkett ab, darf das Geldhaus seinen Anteil aufstocken - und mitverdienen.

"Der Druck ist also nicht vom Kessel", wie sich Klaus Groth auszudrücken pflegt. Weder für ihn noch für die Bankgesellschaft. Denn von den Geschäftserfolgen der IBAG hängt es nicht unmaßgeblich ab, ob und wie sie am Ende dastehen wird. Eingefädelt hat die Beteiligung der IBAG bei der Groth-Gruppe Bankgesellschaftschef Rupf persönlich. So ist aus der IBAG zu hören. Manfred Schoeps, der bereits Kooperationsverträge mit Groth unterzeichnet hatte und von der Bankgesellschaft einen Kreditrahmen eingeräumt bekommen haben soll, hatte das nachsehen. Verschnupft ist der ehemalige Chef der Immobilientöchter der Bankgesellschaft nicht: "Mit der IBAG an der Seite ist Groth noch besser aufgestellt", sagt er.

Zufrieden zeigt sich auch die IBAG: "Die Groth-Gruppe hat viel Erfahrung beim Bau von Projekten im gehobenen Segment. Das ist eine sinnvolle Ergänzung", sagt Vorstand Christian Lauritzen. Die neue gemeinsame Gesellschaft werde mit einem Kapital von 40 Millionen Mark ausgestattet. Das Geld komme zu 60 Prozent von Groth, der Rest von der IBAG. Entsprechend seien die Kräfteverhältnisse in der Geschäftsführung. Die "Jungfräulichkeit" seiner IBAG ließ sich Lauritzen von Groth nicht rauben: "Die Beteiligung betrifft nur die operativen Teile, also Mitarbeiter und Know-How. Die von der Groth-Gruppe bisher realisierten Bauvorhaben bleiben außen vor". Kein Risiko, bitte! Genau dasselbe hatte die IBAG der Bankgesellschaft abgetrotzt bei ihrer Loslösung aus deren Schoße: die ganzen alten Projekte, sie sollten außen vor bleiben - ein Neubeginn sollte es sein.

Für Groth selber ist es ein Neubeginn plus Altlasten. Wie schwer die wiegen, ist umstritten. Für Groth gibt es sie nicht oder fast nicht. Branchenkenner halten dagegen: Die Kooperation sei dringend erforderlich gewesen, da der Unternehmer zuvor seine Reserven aufgezehrt hatte. Er habe seine laufenden Kosten nicht mehr tragen können, daher sei frisches Kapital von Dritten erforderlich gewesen. Als "Kampagne" bezeichnet dies Groth. Das Budget seiner Gruppe sei durch das operative Geschäft gedeckt.

Wo die Wahrheit liegt, ist nun unerheblich: Groth und die IBAG, sie haben nun fünf Jahre Zeit, sich zu behaupten. Fällt das Projekt der Bankgesellschaft auf die Füße, dann wird es nicht an den Startbedingungen gelegen haben. Besser könnten sie - viel Kapital, keine Altlasten - wohl nicht sein.

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