Ibrahim-Preis : Wer regiert schon gut?

Helmut Schümann

Noch einmal zu Barack Obama und seinem Friedensnobelpreis. Der ist mit zehn Millionen schwedischen Kronen dotiert, das sind ungefähr 970 000 Euro. Das ist eine vergleichsweise lächerliche Summe, selbst als Vorschuss. Verglichen nämlich mit dem Ibrahimpreis. Der bringt fünf Millionen US-Dollar, also rund 3,4 Millionen Euro plus einer jährlichen Rente von 200 000 Dollar. Er wird allerdings nicht vor der Tat verliehen, sondern definitiv erst danach. Der Alfred Nobel des Ibrahimpreises heißt Mo Ibrahim, ein sudanesischer Mobilfunkunternehmer. Ibrahim sagt, dass in Afrika viele Staatschefs aus armen Verhältnissen stammen, und dass sie deswegen Angst hätten, nach dem Ende der Regierungszeit wieder in Armut zu fallen, und dass sie deswegen auf ihren Regierungssitzen klebten und nicht von der Macht lassen könnten. Die Sache mit dem Nicht-Loslassen-Können gibt es nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent, die ist weit verbreitet, nur dass sie zum Beispiel hierzulande mit satten Pensionsansprüchen bekämpft wird. Mo Ibrahim sagt weiter, dass der Preis plus die Rente an den afrikanischen Staatschef verliehen wird, der in den vergangenen drei Jahren aus seinem Amt geschieden ist und sich davor mit einer besonders guten Regierungsführung hervorgetan hat.

Das allerdings ist anderswo anders geregelt, bei uns zum Beispiel bekommt jeder seine Pension, da wird nicht unterschieden zwischen besonders gutem oder weniger gutem Regieren. Die Jury des Ibrahimpreises ist weit weniger generös. In diesem Jahr wird der Preis klar und einfach nicht vergeben. Man habe keinen geeigneten Kandidaten gefunden, und im Übrigen habe es auf dem afrikanischen Kontinent nicht genügend funktionierende Demokratien.

Man kann die Juroren nur beglückwünschen zu ihrer konsequenten und logischen Haltung. Nicht auszudenken, wenn unsere Pensionskassen bei unseren Politikern ähnlich vorgehen würden. Lediglich zu einer Belobigung konnte sich das Ibrahimkomitee überwinden, die ging an Mauritius, die Seychellen und die Kapverdischen Inseln, für gute Regierungsführung. Weil alle drei aber politisch zu unbedeutend sind in Afrika, gab es kein Geld. Wahrscheinlich war das Komitee der Ansicht, dass gute Regierungsführung auf Mauritius, den Seychellen und den Kapverdischen Inseln ein Kinderspiel ist. Und dem Beispiel des Nobelpreises mochte es offensichtlich nicht folgen: Vorab gibt es mal gerade gar nichts. Ob das Preisgeld nun eingefroren ist und in einen Jackpot wandert fürs nächste Jahr, war nicht zu erfahren. Auf jeden Fall gilt: Nun regiert mal schön! Helmut Schümann

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