Zeitung Heute : ICANN: Berliner Hacker in Internet-Regierung gewählt

Markus Ehrenberg

Andy Müller-Maguhn, in Berlin lebender Sprecher des Chaos-Computer-Clubs, ist als europäischer Vertreter in den Vorstand des internationalen Internet-Kontrollorgans ICANN gewählt worden. Der Hacker Müller-Maguhn setzte sich in einer Online-Wahl durch. Die ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers) entscheidet unter anderem über die Vergabe der Web-Adressen-Endungen wie ".com" oder ".de".

Mit der Wahl Müller-Maguhns geht eine Online-Abstimmung zu Ende, die von vielen als Start einer Internet-Regierung angesehen wurde. Die Organisation ist aber noch nicht mehr als ein Kontrollorgan. Neben der Vergabe von Internet-Adressen und von Nummern zur Identifizierung jedes Internet-Computers ist sie für die Entwicklung technischer Standards zuständig. Müller-Maguhn zieht mit vier weiteren gewählten Vertretern anderer Weltregionen in den ICANN-Vorstand ein.

Müller-Maguhn kritisierte wiederholt eine mangelnde Transparenz der ICANN. Sie habe sich bei der Diskussion um die Vergabe von Internet-Adressen bisher zu sehr auf die Seite der kommerziellen Anbieter gestellt. Hintergrund der Kritik ist ein Streit um die Rechte für die Nutzung besonders einprägsamer Namen zur Gestaltung von Internet-Adressen. Konzerne wie die Deutsche Bank oder Künstler wie die Schauspielerin Julia Roberts klagten erfolgreich die Herausgabe von Adressen mit ihrem Namen ein. ICANN habe Juristen erst die rechtliche Grundlage dafür geliefert, gegen jeden zu prozessieren, der vermeintlich bereits vergebene Namen im Internet besetze, sagte Müller-Maguhn. Mit seiner Wahl dürfte sich dieser Domain-Namen-Streit zuspitzen.

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