Zeitung Heute : „Ich bereite mich eben gut vor“

Der Tagesspiegel

Herr Stevens, Sie sind seit Sonntag in Berlin. Haben Sie schon eine Wohnung gefunden?

Bisher noch nicht. Außerdem bin ich nicht nur zur Wohnungssuche gekommen.

Sie waren auch bei Ihrem zukünftigen Arbeitgeber Hertha BSC. Der ist am Samstag zufälligerweise Schalkes nächster Gegner.

Offenbar habt ihr damit mehr Probleme als ich. Mich wundert es, dass da immer diese Brisanz reingebracht wird. Wenn man einen freien Tag hat, muss man den doch nutzen. Außerdem wusste Schalke Bescheid.

Trotzdem: Sie sind Trainer bei Schalke und beschäftigen sich bereits mit Ihrem neuen Klub.

Ich bereite mich eben gut auf meine Arbeit vor. Auf diese Pressekonferenz habe ich mich auch vorbereitet. Ich kann doch nicht am 1. Juli in Berlin auftauchen und bei null anfangen. Die Spieler müssen schließlich wissen, was sie erwartet.

Was haben Sie Ihnen gesagt?

Dass sie sich am Samstag ein wenig zurückhalten sollen. Nein, es ging um organisatorische Dinge, um die Vorbereitung auf die neue Saison. Wir werden am 1. Juli mit dem Training anfangen.

Haben Sie auch mit Rob Maas gesprochen?

Noch nicht. Wir kennen uns ja schon aus Eindhoven, wo ich sein Jugendtrainer war. Ich hoffe, er hat sich seitdem ein wenig verändert.

Maas hat seinen Vertrag noch nicht verlängert.

Aber er hat sein Wort gegeben, dass er bleibt. Ich rechne fest mit Rob. Solche Spieler braucht man. Rob hat diesen Siegeswillen.

Rechnen Sie auch mit Alex Alves?

Alex hat einen Vertrag, also planen wir mit ihm. Ich habe am Sonntag mit ihm geredet und ihm gesagt, was ich von ihm erwarte. Alex ist Alex. Ihr kennt ihn doch. Wahrscheinlich sogar besser als ich.

Als Neuzugang hat Hertha Bartosz Karwan verpflichtet. War das Ihr Wunschspieler?

Wunschspieler ist etwas übertrieben. Ich habe ihn einmal live gesehen, beim WM-Qualifikationsspiel Polen gegen Norwegen. Da ist er eingewechselt worden und hat ein Tor geschossen. Als Dieter Hoeneß mich auf ihn angesprochen hat, wusste ich mit dem Namen schon etwas anzufangen. Danach habe ich mir noch ein paar Videokassetten angeschaut. Karwan kann im Sturm spielen, aber auch auf der rechten Seite. Das ist ein Junge, der zu Hertha passt. Schalke war übrigens auch an ihm interessiert.

Am Samstag spielen Sie mit Schalke im Berliner Olympiastadion. Was, glauben Sie, wird Sie dort erwarten?

Ehrlich gesagt weiß ich das nicht. Eine solche Situation habe ich noch nicht erlebt.

Schlagen da zwei Herzen in Ihrer Brust?

Ach was, ich habe nur ein Herz, aber da ist viel Platz drin.

Ihr Vorgänger Falko Götz war mit Hertha zuletzt sehr erfolgreich. Das wird Ihnen den Start in Berlin nicht unbedingt erleichtern.

Im Gegenteil, ich bin froh, dass Hertha eine so gute Rückrunde hingelegt hat. Wir wollen schließlich im nächsten Jahr international spielen.

Ganz sicher ist das noch nicht.

Meine Herren, selbst wenn Hertha beide Spiele verlieren sollte, müssten Kaiserslautern und Bremen beide Spiele gewinnen…

Ihr Manager Rudi Assauer hat im Winter gesagt, wenn Schalke am Ende der Saison nicht vor Hertha stünde, bekämen Sie arge Probleme. Hätten Sie nach solchen Äußerungen und dem ganzen Wirbel um Ihren Wechsel gedacht, dass sich jetzt alles doch noch in Wohlgefallen auflöst?

Ich glaube, man muss solche Äußerungen aus der Situation heraus verstehen. Wir haben eine ganz schlechte Hinrunde gespielt. Da haben sich die Leute natürlich gefragt: Was geschieht denn, wenn wir die ersten drei Spiele nach der Winterpause verlieren? Aber so denke ich nicht. Ich habe gesagt: Was geschieht, wenn wir die ersten drei Spiele gewinnen? Und wir haben die ersten drei Spiele gewonnen.

Aufgezeichnet von Stefan Hermanns.

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