Zeitung Heute : „Ich bin ein Steglitzer“

Von Kennedy bis Zarah Leander: Das Heimatmuseum erzählt von den prominenten Besuchern der Schloßstraße

-

Die Schloßstraße kennt viele berühmte Gesichter: Zehntausende Berliner standen im Sommer 1963 hier, um den vorbeifahrenden US-Präsidenten John F. Kennedy zu sehen – nur wenige Monate vor dem tödlichen Attentat in Dallas. Auch Friedrich der Große wurde im 18. Jahrhundert wohl das eine oder andere Mal bejubelt, als er auf dem Weg von Potsdam zu seinem Berliner Schloss war. Um sich den Weg zu erleichtern, ließ der Alte Fritz die Schloßstraße ausbauen; bei der Fertigstellung 1828 war sie die erste ausgebaute Chaussee in der gesamten Provinz Ostpreußen.

Von der Via Regia des Preußenkönigs bis zur zweitgrößten Einkaufsstraße Berlins im 21. Jahrhundert: Hinter der Schloßstraße liegt ein langer Weg. 1895 begann der Bau der Straßenbahn, 1928 wurde der Titania-Palast mit dem Film „Sprung ins Glück“ eröffnet. Konzerte und Theater zogen nicht nur Steglitzer in den Monumentalbau. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gab die Philharmonie am 26. Mai 1945 hier ihr erstes Konzert.

Legendär der Auftritt von Marlene Dietrich am 30. April 1960 im Titania-Palast. „Marlene, go home!“ stand auf Plakaten, mit denen sie vor dem Eingang empfangen wurde – obwohl es auch Berliner gab, die ihr zujubelten. Aber auch andere Weltstars gaben dem Palast die Ehre: Josephine Baker, Yehudi Menuhin, Maria Callas, Zarah Leander, Maurice Chevalier und Louis Armstrong.

Von der bewegten Vergangenheit ist heute im Titania-Palast nicht mehr viel zu spüren: Inzwischen wurden Läden in den Palast gebaut, doch noch immer gibt es dort ein Kino.

Wer seine Augen vom Grau des Palastes erholen möchte, fährt einige hundert Meter stadtauswärts: bis zum weißen Schlossparktheater neben dem ehemaligen Gutshaus Steglitz, welches auch Wrangelschlößchen genannt wird. Ihm verdankt die Schloßstraße ihren Namen. Beide Gebäude, um 1800 erbaut, zählen zu den letzten erhaltenen Zeugnissen des preußischen Frühklassizismus. Aus dem Wirtschaftstrakt wurde 1921 das Schlossparktheater. Im Gutshaus finden Kulturveranstaltungen und private Feiern oder Tagungen statt. Auch die Bankiersfamilie Schwartz prägte das Bild der Straße. Die Schwartzsche Villa, Ende des 19. Jahrhunderts gebaut und einst Wohnhaus der Familie, ist heute ein Veranstaltungsort des Kunstamts.

Früher waren es umgestürzte Bäume, vielleicht der eine oder andere Räuber oder gebrochene Radachsen, die den Reisenden plagten. Heute ist die ehemalige Chaussee eine vierspurige Straße, geprägt durch viel Verkehr und wenig Raum für Fußgänger. Doch der Durchgangsverkehr soll eingedämmt werden, neue Restaurants und Cafés sollen zum Verweilen einladen. Dafür will der Bezirk 2008 rund 200 000 Euro investieren. tol

Die Ausstellung „Die Schloßstraße im Wandel“ läuft bei freiem Eintritt bis zum 29. März im Steglitz-Museum, Drakestraße 64 a (Mo. 16–19 Uhr, Mi. 15–18 Uhr, So. 14–17 Uhr)

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben