Zeitung Heute : Ich bin Raymond, der Picknicker

Esther Kogelboom über die süße Tristesse eines Franzosen

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Oh là là! Die französische Nationalmannschaft ist auch schon da. Sie logiert im Schlosshotel Münchhausen in Aerzen / Schwöbber bei Hameln. Und sie ist traurig, weil sich der Stürmer Djibril Cissé sowohl Schien- als auch Wadenbein gebrochen hat. Zudem gab’s im Vorfeld der WM viel Stress und Streit.

Warum nur, warum steht den Franzosen die Melancholie so gut? Warum sieht ein trauriger Raymond Domenech tausendmal besser aus als ein trauriger Jürgen Klinsmann? Warum entschied Domenech, der Trainer, die Torwartfrage 3000 Meter über dem Meer, auf einem Gletscher? Warum wirkt Domenech, als wolle er auf dem Rasen viel lieber picknicken? Warum sind die Galeries Lafayette in Paris tausendmal größer als in Berlin?

Zeit für die erste von vielen kommenden Länderpauschalisierungen: Den meisten Franzosen ist der Sinn für guten Geschmack eben angeboren – auch dem französischen Nationaltrainer, der sich vor kurzem – Louis de Funès lässt grüßen – bei einer Pressekonferenz dauernd ein Ohr zuhielt, weil ihm die Fragen der Journalisten auf die Nerven gingen. Voilà.

Die Berliner Melancholie-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie ist inzwischen vorbei. Aber in den nächsten Wochen haben wir ja noch Raymond Domenech.

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