Zeitung Heute : „Ich habe mal im Wald gearbeitet“

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Herr Christmann, wenn Sie sich heute einen Ferienjob suchen würden, wie würden Sie es anstellen?

Was man selbst gelernt hat, nimmt einem keiner mehr weg. Deshalb würde ich immer nach einem Ferienjob Ausschau halten, bei dem ich etwas lernen kann. Auch in einem sehr jungen Lebenslauf macht es sich immer gut, etwas für seine berufliche Aus und Weiterbildung getan zu haben. Arbeitgeber schätzen Engagement dieser Art. Wer also zeigt, dass er seinen Lebensweg aktiv gestaltet, statt mehr oder weniger untätig das Leben passieren zu lassen, hat im Berufsleben immer die besseren Karten.

Das klingt sehr strategisch, aber bei einem Ferienjob steht üblicherweise das Geld verdienen an erster Stelle.

Dagegen sage ich ja gar nichts. Ich selbst habe als junger Mann auch mal als Waldarbeiter gejobbt – ausschließlich des Geldes wegen. Aber heute sind die Verhältnisse etwas anders. Die Unternehmen stehen viel härter im Wettbewerb und müssen sich fragen ,Was bringt mir ein Ferienjobber und was kostet er mich?’. Gleichzeitig sind bei vielen jungen Leuten die Sekundärtugenden nur wenig entwickelt.

Es geht doch nur um Aushilfsjobs und nicht um eine langfristige Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehung.

Das ändert doch nichts an der Bedeutung von Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit oder Kundenorientierung.

Was also sollen Kandidaten für einen Job nur für die Sommermonate tun?

Kurzfristiges Denken und Handeln erweist sich selbst beim Ferienjob als zunehmend falsch. Genauso der allzu starre Blick auf den höchst möglichen Stundenlohn. Arbeitgeber sind durchaus dafür empfänglich, wenn sich junge Leute entwickeln wollen – und frühzeitig die ersten Schritte dafür tun. Gehört ein Ferienjob als Baustein in diese Planung, sind Arbeitgeber deutlich aufgeschlossener, als wenn es ums reine Geldverdienen geht.

Ist das Ihre Hoffnung oder Erfahrung?

Letzteres. Wir haben hier in der Volksbank Mainz auch schon Schnupperjobs vergeben, die sich keinesfalls auf reine Handlangerarbeiten beschränkten. Dafür gab es aber oft gar kein und meistens nur eine Art Taschengeld.

Das ist jetzt aber nicht das, was Ferienjobber hören wollen.

Das mag sein. Trotzdem bleibe ich dabei, dass mit einer strategischen Planung des Ferienjobs heute nicht verdientes Geld in späteren Jahren wieder hereinkommt.

Die Fragen stellte Christine Schreiber

BERT CHRISTMANN

(40) ist Bundesvorsitzender der Wirtschaftsjunioren Deutschland

(WJD). Der Verein hat 11 000 Mitglieder in 210 Kreisverbänden. Im Hauptberuf ist Christmann Banker.

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