Zeitung Heute : „Ich musste die Hand flach halten“

Julia Korn, 13, ist Referee-Escort. Das heißt: Sie reicht dem Schiedsrichter die Münze für die Seitenwahl. Das Mädchen aus Lahnstein über ihren ersten Besuch im Fußballstadion.

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Bei der WM gibt es Kinder, die die Mannschaften aufs Spielfeld begleiten, Kinder, die Flaggen tragen, Ballkinder – und Kinder, die dem Schiedsrichter die Münze für die Seitenwahl reichen, die Referee-Escorts. Beim Spiel Deutschland – Polen war Julia Korn dran. Sie ist 13 Jahre alt und kommt aus Lahnstein.

Was macht ein Referee-Escort?

Man muss vor dem Spiel die Münze auf das Spielfeld bringen und sie dem Schiri überreichen.

Konntest du mit dem Schiedsrichter reden?

Nein, mir wurde gesagt, dass ich nicht mit denen reden darf. Nicht mit den Schiedsrichtern und auch nicht mit den Spielern. Ich durfte nur raufgehen, die Münze abgeben und wieder runtergehen. Dabei musste ich die Hand ganz flach halten und die Münze hineinlegen, so dass der Schiedsrichter sie sich nehmen konnte. Aber der Schiri war sehr nett. Er hat mir ein Küsschen gegeben und auf Deutsch „Danke“ gesagt. Dabei kann der, glaube ich, gar kein Deutsch. Er kam jedenfalls aus Spanien.

War das eine Euro-Münze?

Eher eine Medaille. Die war aus Gold und größer als ein Euro-Stück. Auf der einen Seite ist der Weltpokal und auf der anderen ein Fußball.

Durftest du die Münze wieder mitnehmen?

Nein, die hat der Schiri eingesteckt.

Wie bist du eigentlich RefereeEscort geworden?

Mein Vater hat einen Getränkehandel. Da gab es ein Gewinnspiel von Bonaqua, bei dem ich mitgemacht habe. Ein paar Monate vor der WM kam der Anruf, dass ich gewonnen hätte.

Warst du aufgeregt? Schließlich konnten dich alle Leute im Stadion und Millionen im Fernsehen sehen.

Ja klar! Ich war total aufgeregt!

Aber es ist gut gegangen.

Ja. Wir hatten geübt. Um zwei Uhr haben wir uns schon getroffen mit den Ballkindern und den Flaggenkindern. Wir waren insgesamt 27, sechs kamen sogar aus Polen. Die durften dann später die polnische Flagge tragen. Es gab vorher eine Generalprobe.

Konntest du das Spiel sehen?

Wir saßen auf der Tribüne. Ich war zum ersten Mal im Stadion.

Spielst du selbst Fußball?

Leider bin ich neulich beim Fußballspielen mit den Jungs umgeknickt und musste mit Krücken rumlaufen. Die bin erst vor zwei Wochen losgeworden. Ich habe Glück gehabt. Übrigens: Ehrlich gesagt wäre ich doch lieber mit den Spielern an der Hand ins Stadion gelaufen.

Fragen: Steffen Hudemann

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