Zeitung Heute : „Ich sage mir:  Du bist erst 17, du hast noch Zeit“

„Mein 18. Geburtstag ist einen Tag vor meiner ersten schriftlichen Prüfung. Es wird also nicht groß gefeiert. Meinen Führerschein habe ich schon im Herbst gemacht, weil ich wusste, dass ich jetzt viel Lernstress haben werde. Es ist mir schon aufgefallen, dass wir als G8-Jahrgang wenig Freizeit hatten. In der siebten Klasse fing es an, dass wir unheimlich viele Stunden hatten. Manchmal waren es zehn Stunden am Tag und ich kam erst um halb sechs Uhr abends nach Hause. Auf meine Hobbys habe ich trotzdem nicht verzichtet. Ich spiele Bratsche im Orchester, singe im Chor, spiele Tennis und tanze. Außerdem bin ich in der Theater-AG.

Es gibt bestimmt Leute, die bei G8 auf der Strecke bleiben. Manche entscheiden sich, eine Klasse zu wiederholen. Ich habe in der 9. Klasse überlegt, ins Ausland zu gehen. Aber ich habe mich noch nicht getraut. In der 10. hätte ich es wegen der MSA-Prüfungen nicht geschafft.

Ich habe manchmal das Gefühl, dass mir überall Möglichkeiten geboten werden und ich mich gar nicht entscheiden kann. Eigentlich war ich felsenfest überzeugt, dass ich Theaterregisseurin werden möchte. Aber ich bin nicht mehr sicher, ob ich mit den Arbeitszeiten zurecht komme. Weil mein Ziel jetzt wankt, fühle ich mich manchmal, als würde ich hilflos durch die Gegend rudern. Dann sage ich mir: Du bist erst 17, du hast noch Zeit.“

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