Zeitung Heute : „Ich war so aufgeregt“ Wenn man stotternd im Rampenlicht steht

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Die Schwimmerin Anke Scholz kämpfte acht Jahre in der deutschen Nationalmannschaft. 1996 holte sie bei der Olympiade in Atlanta Silber mit der 4x200 MeterFreistil-Staffel. Daraufhin häuften sich die Interview-Anfragen.

Wie sind Sie durch den Medienrummel gekommen?

Ich habe Interviews immer ungern gemacht. Abgelehnt habe ich deswegen aber trotzdem keine. Häufig habe ich mir schon vorher Sätze zurecht gelegt und schwierige Wörter schlicht durch einfache ersetzt.

Ist Ihre Strategie aufgegangen?

Meistens. Viele Journalisten wussten ja, dass ich stottere, da gab es keine Probleme. Nur diejenigen, die es nicht wussten, haben mir dann schon mal das Wort aus dem Mund genommen, wenn es nicht sofort rauskam.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Ich war so aufgeregt, dass es mir zumeist egal war.

Manche Therapeuten sagen, es helfe auf Dauer nicht, Wörter zu vermeiden.

Kann schon sein, dass die das behaupten. Wenn ich aber vor der Kamera stehe und es für mich in dem Moment gut ist, ein anderes Wort zu benutzen, ist mir das doch wurscht. Schließlich muss ich damit klarkommen und nicht die Leute, die die Theorien ausdenken. Ich habe mir über mein Stottern keinen großen Kopf gemacht. Selbstzweifel hatte ich nie.

Ihr Stottern hat Sie nicht beschäftigt?

Im Privatleben war das nie ein Thema. Bei mir hört man das ja nicht immer gleich, manchmal blockiere ich halt vor manchen Wörtern. Wenn ich aber aufgeregt bin, zum Beispiel wenn ich vor vielen Menschen ein Referat halten muss oder vor einem Wettkampf, stottere ich mehr.

Lastete auf Ihnen beim Wettkampf also ein doppelter Druck? Zuerst die Leistung und bei Erfolg drohten Interviews?

Ach was, vor dem Startschuss habe ich nie an die Interviews danach denken können, da war ich schon so aufgeregt genug. Und aus Angst vor Interviews bin ich sicher nicht langsamer geschwommen. Außerdem habe ich bei einer Logopädin geübt, vor Menschen zu sprechen. Das hat mir die Angst genommen und seitdem schwankt meine Redeweise auch nicht mehr so.

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