Zeitung Heute : „Ich würde gerne auch persönlich werden“

Der Tagesspiegel

Von Thomas Gehringer

Gabi Bauer hat ihre Babypause beendet, sie hat die ersten Interviews gegeben, doch kurz vor der Premiere ihrer Sendung mit dem einleuchtenden Titel „Gabi Bauer“ (Mittwoch, 23Uhr im Ersten) überkommt sie ein wenig Angst. „Die Erwartungshaltung von Publikum und Kritik ist so gigantisch, so immens, dass ich das große Fürchten kriege“, sagt sie. Die Presse möge die Sache doch „bitte drei Nummern niedriger hängen“. Das ist am Ende einer Pressekonferenz ein ungewöhnlicher Wunsch, dienen solche Termine doch eher dazu, die Dinge möglichst hoch zu hängen. Und natürlich schlottern Gabi Bauer nicht wirklich die Knie. Noch eine Stunde zuvor hat sie souverän und, wie es scheint, entspannt Rede und Antwort gestanden. Auch auf ungeliebte Fragen. Geduldig gibt sie Auskunft über Zwillinge und Erziehungsurlaub, stöhnt nur ein wenig, als ein Kollege ihren Polit-Talk zwischen Maischberger und Kerner einordnen möchte („Immer diese Kategorisierung!“). Nein, die 39-jährige ist nach einem knappen Jahr Bildschirm-Pause nicht nur äußerlich unverändert. Selbstbewusst sagt sie:„Ich mache mir keine Gedanken darüber, wie ich mich von wem unterscheide.“ Oder: „Entweder du machst es so, wie du bist, oder mach’ es gar nicht.“

Elf Monate nach ihrer letzten „Tagesthemen“-Moderation und acht Monate nach der Geburt ihrer Söhne Mats und Adrian darf der erklärte Fan abendlicher Talkshows („ich gucke alle gerne“) selber mit einer Gesprächssendung an den Start gehen: Statt „Joachim Gauck“ wechselt sich nun „Gabi Bauer“ alle 14 Tage mit „Friedman“ ab. 30 Minuten für einen Gast, der im Jahr der Bundestagswahl häufig aus der Politik kommen soll, das klingt nicht nach einem erfrischend neuen Talk-Konzept. Doch die Westerwelles, Gysis und Münteferings dieser Welt werden immerhin mit einer Variante konfrontiert, die „gerne auch provokativ“ sein und „Überraschungseffekte erzielen soll“, sagt Gabi Bauer. Und da ihre Sendung (ebenso wie „Maischberger“ bei n-tv) von Friedrich Küppersbuschs Firma probono produziert wird, darf man es für nicht ganz unwahrscheinlich halten, dass dieses Versprechen hin und wieder gehalten wird. Anhand von Filmen und Fotos werden die politischen Selbstdarstellungsprofis an frühere Aussagen oder Taten erinnert. Das Publikum kann während der Einspielung die Reaktion des Gastes mitverfolgen.

Politisch soll es werden, aber „kein Minister-Magazin“. Auch Gäste wie Steffi Graf, Leo Kirch oder Loriot wünscht sich Gabi Bauer. „Ich würde gerne mit meinen Gesprächspartnern auch persönlich werden“, sagt sie. Wer in die aktuelle Sendung kommt, wird erst zwei, drei Tage zuvor entschieden. Alle zwei Wochen muss Gabi Bauer für zwei Tage nach Köln kommen, alles andere kann sie von zu Hause aus in ihrer norddeutschen Heimat erledigen. „Journalismus ist ein Luxus- Job“, sagt sie deshalb. Rückhalt gibt ihr auch die ARD. „Wir streben nicht den schnellen Erfolg an, sondern den stetigen“, sagt WDR- Kulturchef Helfried Spitra. Ein solches Format benötige mindestens ein halbes bis dreiviertel Jahr, bis es sich etabliere. Zumal auf diesem Sendeplatz: Am Mittwochabend sieht das Erste oft genug wie der Vierte oder Fünfte aus. Doch da es keine Quotenvorgabe gibt, könnte es Gabi Bauer gelassen angehen.

Woher also die eingangs beschriebene Furcht? Zum einen war Gabi Bauer die Prominenz, die ihr der „ Tagesthemen“-Job beschert hat, schon immer unheimlich. Zum anderen erweisen sich ihre viel gepriesenen Moderationen bei den „Tagesthemen“ als kein leichtes Erbe. Je länger der Abschied zurückliege, desto verklärter erscheine allen die Erinnerung–ein allgemeines Phänomen, das den Erwartungsdruck erklärt. So gesehen ist es höchste Zeit, dass es für Gabi Bauer wieder los geht.

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