Zeitung Heute : Ideenwettbewerb für Tempelhof ab Mai

Studio Babelsberg will Gelände nutzen / Senat: Auch Interessenten für Luftfahrt- und Geschichtsmuseum

Ulrich Zawatka-Gerlach

Berlin - Einen Tag nach dem Volksentscheid über Tempelhof hat die Debatte über die weitere Verwendung des Flughafens am Montag an Fahrt gewonnen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) rechnet für die Nutzung des Airports nach der Schließung am 31. Oktober dieses Jahres jetzt mit einem „wunderbaren Ideenwettbewerb“. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) kündigte an, ein solcher weltweiter Wettbewerb für das gesamte Areal werde noch im Mai gestartet.

Das Angebot des Studios Babelsberg, auf einem Teil des Geländes – vor allem in den Hangars – einen neuen Filmstandort zu etablieren, nannte Wowereit „sehr interessant“. Es sei aber eine Ausschreibung notwendig, eine Direktvergabe sei nicht möglich. Vorstandschef Carl Woebcken bestätigte die Pläne seines Unternehmens, auf Teilen des 386 Hektar großen Feldes Ateliers zu errichten, Filme zu produzieren und den größten Requisiten- und Kostümfundus Europas aufzubauen. Auch für ein Luftfahrt- und Geschichtsmuseum gebe es viele Interessenten, bestätigte eine Sprecherin der Stadtentwicklungsverwaltung.

Wowereit forderte die Befürworter des Flughafens auf, das Ergebnis zu akzeptieren und sich „zukunftsorientiert zu verhalten“. Wer davon rede, die Mehrheit der Berliner habe für die Offenhaltung gestimmt, verdrehe die unleugbaren Tatsachen. „Es bleibt bei der Schließung“, sagte er. Der Flughafen werde aber „einen festen Platz in der Geschichte Berlins“ behalten, versicherte er. Die Historie der Luftfahrt, der Luftbrücke und der Alliierten solle im denkmalgeschützten Abfertigungsgebäude einen Ort des Gedenkens finden. Schließlich habe die Debatte bei vielen Berlinern, besonders im Westen der Stadt, Emotionen hervorgerufen, „die ich ernst nehme“, sagte Wowereit.

Führende Vertreter der Linken plädierten dafür, auf dem Tempelhofer Feld einen „Freiheitspark“ einzurichten. Die Grünen appellierten an CDU und FDP, „endlich wieder zu einer konstruktiven Oppositionspolitik zurückzukehren“ und sich an der Erarbeitung eines Nachnutzungskonzepts zu beteiligen. Der Senat sei bisher nicht in der Lage gewesen, diese Nachnutzung zu gestalten. Dagegen forderte der CDU-Fraktionschef Friedbert Pflüger erneut, den City-Airport über den 31. Oktober 2008 hinaus offen zu halten. „Zunächst bis zur Eröffnung des Großflughafens BBI.“ Dafür gab es indirekt Kritik vom CDU-Landesvorsitzenden Ingo Schmitt. Zur Demokratie gehöre auch, das Ergebnis zu akzeptieren, sagte dieser.

Der Senat will schon im November das Gelände für die Bevölkerung „begehbar machen“. Allerdings bleibe das Areal vorerst eingezäunt und bewacht, hieß es in der Stadtentwicklungsbehörde. Weitgehend geöffnet werden sollen die Freiflächen im Frühjahr 2009. Junge-Reyer sagte, im August beginne der städtebauliche Wettbewerb für ein neues Wohnquartier am Columbiadamm. Zwei weitere Wohn- und Gewerbegebiete sollen im nächsten Jahrzehnt entstehen, 220 Hektar sind als Park vorgesehen. Ein neuer Flächennutzungsplan für das Tempelhofer Feld soll Ende Februar 2009 öffentlich ausgelegt werden.

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