IFA 2008 – Effiziente Techniken für Brat- und Bildröhre : Auch ein Kühlschrank kann unterhalten

Auf der IFA 2008 sind erstmals Haushaltsgeräte zu sehen. Sie müssen sparsam sein – und Komfort bieten

Phlipp Eins

Einer der großen Energiefresser in privaten Haushalten ist der Kühlschrank. Ein Drittel der Stromkosten gehen dafür drauf, um Obst, Gemüse und Wurst frisch zu halten. Bei steigenden Preisen für Energie steigt auch das Interesse der Verbraucher an energieeffizienten Haushaltsgeräten. Daher werden auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) vom 29. August bis 3. September neben Flachbildfersehgeräten und HiFi-Anlagen auch Wäschetrockner, Wärmepumpen und Kühlschränke ausgestellt. Die Exponate sind sparsam im Strom- und Wasserverbrauch – und haben zugleich einen weitaus höheren Komfort als die alte Gefriertruhe vom Trödelmarkt.

Siemens zum Beispiel bringt eine KühlGefrier-Kombination mit integriertem LCD-Fernseher heraus. Nach amerikanischem Vorbild gestylte zweiflügelige „Side by Side“-Kühlschränke liefern Wasser, Eiswürfel und Crushed Ice, ohne dass der Nutzer die Tür öffnen muss. „Diese großen Kühlkombinationen haben alle die Klasse A++“, sagt Claudia Oberascher vom Fachverband für Energie-Marketing und -Anwendung in Berlin. Das ist die höchste Energie-Effizienzklasse, die in der Europäischen Union zu haben ist.

„Die IFA-Neuheiten unter den Haushaltsgeräten spiegeln den globalen Trend zu komfortablem Lebensstil und zu gesünderer Ernährung wider“, meint auch Miele-Chef Reinhard Zinkann, der zugleich Sprecher der Hausgeräte-Fachverbände im Zentralverband Elektrotechnik- und Elektroenergie (ZVEI) ist. Neue Gerätearten wie Induktionskochfelder sowie Hochgeschwindigkeits-Backöfen, die mit Dampf arbeiten, bieten viele Funktionen, die eine möglichst nährstoffschonende Zubereitung von Lebensmitteln ermöglichen.

Die neueste Generation der Elektrohaushaltsgeräte ist mit elektronischen Steuerungen und Sensoren ausgestattet, die differenzierte Einsatzmöglichkeiten erlauben. „Was früher mechanisch gesteuert wurde, wird heute von der Elektronik präziser, vielseitiger und zuverlässiger erledigt“, sagt Zinkann. Moderne Waschmaschinen beispielsweise verfügen über eine Vielzahl spezieller Programme zur Entfernung hartnäckiger Flecken, Spülmaschinen nutzen Wasser effizient und Wäschetrockner seien mit selbstreinigenden Kondensatoren ausgestattet.

Moderne Geschirrspüler bieten nicht nur Energieersparnis, da sie nach Auskunft der Stiftung Warentest zum Teil weniger Wasser und Strom verbrauchen als der Handabwasch – sie spülen auch immer schneller. Die bisherigen Geräte spülten im Sparprogramm bis zu drei Stunden lang vor sich hin. Auf der IFA stellen die Münchner Hersteller Bosch und Siemens ein Gerät vor, das durch die Zugabe von kleinen Steinchen – im Fachbegriff Zeolithen genannt – die Spülzeit extrem verkürzt.

Komfort bieten auch neuartige Trockner: Sie bearbeiten die feuchte Wäsche mit Dampf, um den Bügelaufwand um 50 Prozent zu erleichtern. Einige Wäschestücke brauchen gar nicht mehr „unter das Eisen“. Bügelintensive Kleidungsstücke wie Hemden bereite der Trockner so vor, dass fünf Stück in 20 Minuten knitterfrei im Schrank hängen könnten, so der Hersteller AEG. Ein Wermutstropfen für Energiesparer ist allerdings, dass dieser Trockner nur Energieklasse B erreicht.

Einige der Entwicklungen von energieeffizienten und zugleich komfortablen Haushaltsgeräten sollen weniger den Wunsch nach Luxus erfüllen, als den veränderten Ansprüchen einer alternden Gesellschaft gerecht werden – das meint zumindest Jürgen Ripperger vom Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE). „Mit schwerfälligen Haushaltsgeräten haben vor allem ältere Menschen ein Problem“, sagt der Fachmann. „Bei den derzeitigen Waschmaschinen müssen sie sich durch komplexe Menüs kämpfen, bevor sie das Programm für die Kochwäsche starten können.“ Die Produkte der Zukunft würden daher mit möglichst wenig Hebeln, Schaltern und elektronischen Menüs funktionieren.

So arbeiten Entwickler derweil an Kühlschränken mit Teleskoparmen, die ein leichteres Schließen der Kühlschranktür ermöglichen. Die komfortable Waschmaschine verfügt über wenige Knöpfe und deutlich lesbare Displays, die sich auch ohne Brille entziffern lassen. Dahinter steht ein Konzept mit dem Begriff „Design for all“ – also ein Design, das Kinder, Erwachsene, Senioren und Menschen mit Gebrechen zugleich begünstigt. „Manche elektronische Geräte verfügen inzwischen über eine derart komplexe Steuerung, dass die meisten sie gar nicht bedienen können“, sagt Ripperger. „Solche Geräte haben keine Zukunft.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben