Zeitung Heute : Igittigittigitt!

Ute Scheub

Es ist Frühling, juchhu, die Läuse krabbeln wieder! Vielleicht haben sie ja auch schon mal deinen Haarschopf durchwandert, und du musstest dir mit Läusegift den Kopf einschmieren und die winzigen Eier auskämmen. Aber keine Bange: Die Biester sind zwar eklig, aber ziemlich harmlos. Zwei bis drei Mal am Tag beißen sie dir in die Kopfhaut und schlürfen einen Milliliter Blut. Wenn in ihrer Spucke nicht ein Stoff wäre, der Jucken verursacht, würdest du sie vielleicht gar nicht bemerken. Das Dumme ist nur, dass sich Kopfläuse so schnell vermehren und auch auf andere Köpfe überspringen, wenn man sie lässt. Jede weibliche Laus legt jeden Tag vier Eier, aus denen nach acht Tagen neue Läuse schlüpfen.

Auch aus einem einzigen Floh entstehen zwischen April und September bis zu 30 000 Nachkommen. Die ein bis zwei Millimeter kleinen Mistviecher klammern sich mit borstenbewehrten Beinchen im Fell von Katzen oder Hunden fest. Blöderweise schmeckt ihnen aber auch Menschenblut. Wenn du irgendwo am Körper drei, vier Stiche in einer Reihe siehst, dann hat dir ein Floh guten Tag gesagt.

Aber es gibt noch mehr blutrünstige Viecher auf der Welt. Die Bettwanze zum Beispiel. Wenn du schläfst, zapft sie dir in zehn Minuten die siebenfache Menge ihres Eigengewichts ab. Weil aber Bettwäsche heute häufig gewaschen wird, sind diese Wanzen inzwischen selten geworden. Grüne Stinkwanzen und Zornige Raubwanzen gibt es jedoch noch häufig. Erstere leben auf Bäumen, werden im Frühjahr grün und attackieren Angreifer mit einem Stinke-Sekret. Letzere bevölkern ab April die Wiesen und lähmen Insekten mit ihrem giftigen Speichel, bevor sie sie fressen.

Auch Zecken sind Blutsauger. Bei uns gibt es zwei Dutzend Arten, aber vor allem mit dem Gemeinen Holzbock ist nicht zu spaßen, denn er überträgt gefährliche Krankheiten. Eine Zecke wartet monatelang auf Büschen oder Grashalmen, bis ein Opfer vorbeikommt. Wenn sie sich festgesaugt hat, dann kriegt man sie ohne Pinzette nicht mehr los, denn ihr Stechrüssel hat Widerhaken, die sich aufklappen lassen wie ein Regenschirm.

Blutegel sind im Vergleich dazu richtig nette Kerle. Zwar trinken auch sie Menschenblut, aber ihr Speichel reinigt Wunden und beseitigt gestautes Blut. Deshalb gibt es Farmen, wo süße kleine Egelchen gezüchtet werden - für den Einsatz in der Medizin. Egel sind außerdem bescheiden: Mit einer einzigen Blutmahlzeit kommen sie ein bis zwei Jahre aus.

Würmer würden sich damit nicht zufrieden geben. Die ein bis zwei Zentimeter großen Hakenwürmer sind vor allem in den Tropen verbreitet. Ihre Larven bohren sich in nackte Menschenfüße und wandern durch das Blut bis in die Lunge und den Dünndarm. Besonders eklig aber sind die Bandwürmer, die viele Meter lang werden können. Waldbeeren und Waldpilze musst du immer gründlich waschen, sonst kann es passieren, dass du aus Versehen Eier vom Fuchsbandwurm verzehrst und sich ein Wurm in dir breitmacht.

Aber bevor du jetzt alles in deiner Umgebung mit Gift einsprühst, musst du wissen, dass all dieses Geziefer und Ungeziefer zum Leben dazugehört. Das griechische Wort für Ungeziefer, "Parasit", heißt übersetzt einfach: Mitesser. In deinem Darm erledigt die ungeheure Zahl von hundert Billionen Bakterien deine gesamte Verdauungsarbeit. Du könntest keinen Schritt tun ohne die Energie, die deine kleinen Sklaven aus der Nahrung gewinnen, für sich und für dich. Lass sie also mitessen, die kleinen Parasiten.

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