Zeitung Heute : Iltisstraße – nichts für Tierfreunde

Der Tagesspiegel

Der Name klingt unverdächtig, unwissende Tierfreunde haben daran wohl ihre Freude: Iltisstraße. Dazu liegt sie im grünen Bezirk Zehlendorf, in Dahlem, um genau zu sein. Iltisse würden dort nicht überraschen. Dennoch hat der Straßenname seit langem die Gemüter bewegt, immer wieder hat es Initiativen gegeben, ihn zu ändern – vergeblich.

Ähnlich der Spanischen Allee, die nicht an das Urlaubsland, sondern an den Einsatz der deutschen „Legion Condor“ im Bürgerkrieg erinnert, verweist die Iltisstraße auf eine Militäraktion. Benannt wurde die Dahlemer Straße nach dem Kanonanboot „Iltis“ der kaiserlichen Marine, das am 17. Juni 1900 während des chinesischen Boxer-Aufstandes das Fort Taku im Hafen der chinesischen Stadt Tietsin vor seiner Erstürmung durch die Landungstruppen beschoss. Auch nach Taku selbst, einem befestigten Vorhafen mit vier Forts, wurde eine nahe Straße benannt, weiter gibt es dort eine Lansstraße. Der spätere Admiral Wilhelm von Lans, gestorben 1947 in Berlin, war der Kommandant der „Iltis“. Er wurde bei dem Angriff schwer verwundet.

Die drei Straßen tragen ihre Namen seit 1906. Schon ein Jahr früher kam der Pekinger Platz in Wedding zu seinem Namen, auch dies eine Folge des Kolonialkrieges in China. Begrenzt wird der Platz unter anderem von der Kiautschoustraße, die noch immer an die deutsche Kolonie im kaiserlichen China erinnert. Damals gaben sich sogar die Berliner Laubenpieper Großmachtsträumen hin. So wusste die Wochenzeitschrift „Der Bär“ um 1900 neben vielen afrikanischen Laubenkolonien auch von zwei fernöstliche zu nennen: „China“ und „Kiautschou“. ac

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