Zeitung Heute : Im Alter zu Hause

Cordula Eubel

Den Lebensabend in einem Altersheim zu verbringen, ist für viele Menschen keine verlockende Vorstellung. Mehr als 90 Prozent der Älteren wünschen sich, statt in einem Heim in der eigenen Umgebung alt zu werden. Viele haben aber heutzutage nicht die Wahl, sie kommen alleine nicht mehr zurecht. Auch die Jüngeren haben konkrete Vorstellungen, wie sie später wohnen möchten. Fast die Hälfte der heute 40- bis 49-Jährigen würde gerne in einer Alten-Wohngemeinschaft leben, ergab eine Emnid-Umfrage.

Es gibt schon jetzt Alternativen zum Heim, mehr als 1000 verschiedene Modellprojekte bundesweit: Dazu gehören Hausgemeinschaften für Demenzkranke, in denen Pflegekräfte sich um mehrere Bewohner kümmern. Oder Mehrgenerationenhäuser, in denen die Jüngeren auch mal Einkäufe für die Älteren erledigen und nach ihnen sehen. Gemeinsam ist diesen Projekten, dass sie Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen wollen.

Bisher entstehen diese Modelle nur durch Eigeninitiative. Bremens Oberbürgermeister Henning Scherf hat schon mit Anfang 40 mit der Gründung einer Alten-Hausgemeinschaft begonnen. Gemeinsam mit mehreren Freunden renovierte der heute 66-jährige SPD-Politiker ein altes Abrisshaus in der Bremer Innenstadt, mit separaten Wohnungen.

Neue Wohnformen sollten künftig zum Regelangebot werden, fordert Irmingard Schewe-Gerigk, altenpolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion. Dadurch könnten auch Kosten für die Betroffenen und die Pflegekassen gespart werden, sagt die Grünen-Politikerin. Experten gingen von einer geringeren Pflegebedürftigkeit aus, wenn die Selbständigkeit der Menschen durch das entsprechende Wohnumfeld gestärkt werde. Auch Seniorenministerin Renate Schmidt (SPD) arbeitet derzeit an Vorschlägen, wie die Politik andere Wohnformen fördern kann. Konkret soll es ein Baumodellprogramm geben, außerdem soll das Heimgesetz überarbeitet werden.

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