Zeitung Heute : Im Aufwind

Die Händler in der „Wilmersdorfer“ sehen sich für die kommenden Jahre gut aufgestellt: Die Mischung aus großen Filialisten und kleinen individuellen Läden stimmt, nötig sind aber Straßencafés

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Von Harald Olkus Baustellen prägen derzeit das Bild der Wilmersdorfer Straße: Hinter dem großen Bauzaun an der Ecke Schillerstraße wird an den „Wilmersdorfer Arcaden“ gebaut, in Teilen der Fußgängerzone ist die Straßendecke aufgerissen, und die Arbeiten an der S-Bahn-Station sind erst seit wenigen Tagen abgeschlossen. Die Einkaufsmeile arbeitet an ihrer Verschönerung. „Wir sind die erste Straße im Westteil Berlins, die von Grund auf saniert wird“, meint Apotheker Thomas Bong. Er ist Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Wilmersdorfer Straße, die sich als Motor der Veränderungen sieht.

Erst vor wenigen Tagen fanden die Vorstandswahlen der Arbeitsgemeinschaft statt. Thomas Bong wurde in seinem Amt bestätigt, seine Stellvertreter kommen aus den Häusern, die die Straße entscheidend mitgestalten und sich am Erfolg der Belebung von Berlins ältester Fußgängerzone maßgeblich beteiligt sehen: Michael Malessa, Geschäftsführer des Media Markts im Kant-Center sowie Vertreter von Fielmann und Karstadt.

Durch die großen Filialisten, zu denen Hugendubel sowie C & A und Peek & Cloppenburg im Kant-Center zählen, sei der Kundenkreis erweitert worden, sagt Bong. Von den Wilmersdorfer Arcaden, die auch das leer stehende Sinn-Leffers-Haus mit einbeziehen, erhofft man sich eine weitere Belebung der Straße. Bauherr ist die Essener Gesellschaft „mfi“, die weitere Center in Spandau, Neukölln und Prenzlauer Berg betreibt. Nach Jahren, in denen die Wilmersdorfer Straße von anderen Einkaufszonen in der Stadt abgehängt zu werden drohte, fühlt man sich nun „gut aufgestellt“ für die kommenden Jahre.

Neben den günstigen Angeboten in der „Wilmersdorfer“ ist sich Bong der Bedeutung der Nebenstraßen bewusst, die mit ihren individuellen Geschäften für Vielfalt sorgen. „Außerdem haben wir mit dem Wochenmarkt auf dem Karl-August-Platz den schönsten Markt in Berlin“, findet der Apotheker.

Eine gute Verkehrsanbindung durch U- und S-Bahnen macht wett, dass Parkplätze durch den Abriss des Karstadt-Parkhauses – an dessen Stelle die Arcaden gebaut werden – ein knappes Gut geworden sind. Dass Karstadt seinen Innenhof zum Parken öffnet, mildert das Problem erst am Nachmittag, nach Ende der Lieferzeit. Doch Thomas Bong, der „immer einen Parkplatz findet“, setzt andere Prioritäten. „Unbedingt notwendig sind jetzt Straßencafés, „um die Aufenthaltsqualität in der Fußgängerzone zu erhöhen.“

Die Karstadt-Filiale feiert derzeit ihr hundertjähriges Jubiläum. Sie ist damit nicht nur das älteste Haus am Platz sondern auch das einzige der frühen Warenhäuser Berlins, das noch als solches betrieben wird, sagt Fred Lehmann, Geschäftsführer der Filiale. 1906 als Warenhaus „Graff & Heyn“ errichtet, wurde es 1914 von Adolf Jandorf übernommen, der 1907 am Wittenbergplatz das Kaufhaus des Westens eröffnet hatte. 1926 übernahm Hermann Tietz das Kaufhaus, dessen Unternehmen 1935 von den Nationalsozialisten „arisiert“ und in „Hertie“ umbenannt wurde. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde das Kaufhaus 1950 wieder eröffnet, mehrfach erweitert und 1997 von Karstadt übernommen. Von den derzeitigen Verkäufen und Schließungen von Filialen durch die Karstadt-Quelle-Konzernzentrale scheint das Haus in der Wilmersdorfer Straße nicht betroffen zu sein.

Ebenso wie hier sind auch bei Media Markt im Kant Center die Umsatzerwartungen im vergangenen Jahr erfüllt worden. „Wir haben seit unserer Eröffnung 2004 30 neue Mitarbeiter eingestellt, davon 12 neue Auszubildende“, sagt Geschäftsführer Michael Malessa. Er ist der Ansicht, dass die Nähe zum Messegelände der Straße ein internationales Publikum beschert. „Für diese Kunden müssen wir noch attraktiver werden.“

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