Zeitung Heute : Im Aufwind

Die wirtschaftliche Stimmung steigt. Viele Unternehmen stellen wieder ein

Miriam Schröder

Um 422 Stellen geht es jetzt bei Air Berlin - schon bis zum Ende des Jahres. Keine Angst, bei dieser Nachricht geht es nicht um den Abbau von Arbeitsplätzen. Im Gegenteil: Die Fluggesellschaft will einstellen. Stewardessen und Co-Piloten für den Luftverkehr, Flugzeug-Techniker und Computerspezialisten für den Boden.

Die Stimmung steigt in der Berliner Wirtschaft und mit ihr die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, so die Hoffnung. Nach dem jüngsten Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammer will ein Drittel der befragten Unternehmen in diesem Jahr mehr Leute einstellen. Diesen positiven Trend sieht auch Olaf Möller, Sprecher der Arbeitsagentur Regionaldirektion Berlin-Brandenburg: „Es scheint sich wieder Beschäftigung aufzubauen“, sagt er. So waren im Juni 34 000 Arbeitslose weniger gemeldet als im Jahr zuvor.

„Der stärkste Jobmotor sind Dienstleistungen für Unternehmen“, sagt Dieter Borgai vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Auch wenn es in Berlin nicht viele riesige Konzerne gibt - zahlreiche Beratungs- und Dienstleistungsfirmen siedelten sich trotzdem in der Hauptstadt an. Viele Dienste könne man zudem auch von Berliner Arbeitsplätzen aus für Auftraggeber in anderen Städten leisten. Zu diesen gehören Wirtschaftsprüfer, Steuerberater, Datenverarbeiter oder auch Callcenter-Agenten.

Mit jährlich zehn Prozent mehr Gästen wächst auch die Tourismusbranche ununterbrochen. Im WM-Jahr rechnet man mit 15 Millionen Übernachtungen. Hotels und Gaststätten haben darum einen großen Bedarf an Mitarbeitern, auch an geringer qualifizierten Kräften wie Kellnern oder Zimmermädchen. Jedes fünfte Unternehmen aus dem Gastgewerbe will 2006 einstellen, bei Touristikunternehmen und Reisebüros sind es sogar mehr.

Eine andere große Wachstumsbranche setzt auf Mobilität: Nach Angaben des Senats arbeiten jetzt schon 250 000 Menschen aus der Region in den Bereichen Logistik und Verkehr. „Und es entstehen ständig neue Arbeitsplätze“, sagt Gerhard Ostwald, Geschäftsführer des Berliner Landesverbandes für Güterverkehr und Logistik. Berlin-Brandenburg sei nicht nur ein großer Absatzmarkt für Produkte aus aller Welt – Berlin sei zudem das Drehkreuz für Waren, die im Norden hergestellt und im Süden verkauft werden, oder für Rohstoffe, die aus Südamerika zur Produktion nach Osteuropa gehen. In Berlin braucht man dafür Lagerarbeiter, Gabelstapler und Speditionskaufleute, ebenso wie Logistikspezialisten und Verkehrstelematiker.

Bahnen und Kraftfahrzeuge, sowie Technik für die Luft- und Raumfahrt werden in Berlin aber auch produziert. Diese Branchen schaffen Stellen für Ingenieure und Informatiker. Absolventen dieser Fachrichtungen müssen sich aber ohnehin keine Job-Sorgen machen - sie werden schon heute händeringend gesucht.

„In der Kommunikations- und Informationstechnologie werden überdurchschnittlich viele Jobs entstehen“ sagt Christoph Lang, Sprecher der Senatsverwaltung für Wirtschaft und Arbeit. Die Branche wachse jährlich um 8,4 Prozent. Computerspiele-Designer haben hier ebenso große Chancen wie Softwareprogrammierer.

Auch andere Zukunftsbranchen sind eng mit der IT-Sparte verknüpft: Ob optische Technologien, Medizin- und Biotechnik oder die Verkehrstelematik - hier wird sich in den nächsten Jahren noch einiges entwickeln, sind alle Experten überzeugt.

Und auch für die, die sich nicht für Technik interessieren, gibt es wachsende Beschäftigungsmärkte: Masseure und Krankengymnasten, Altenpfleger oder Sozialarbeiter werden in einer alternden Gesellschaft immer dringender gebraucht.

Olaf Möller von der Arbeitsagentur rät Absolventen aber dringend davon ab, die Berufswahl ausschließlich nach dem auszurichten, was der Arbeitsmarkt gerade fordert: „Setzen Sie Ihre eigenen Prioritäten. Orientieren Sie sich an Ihren Interessen und Qualifikationen. Nur dann sind Sie gut.“

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