Zeitung Heute : Im Aufzug mitten durchs Aquarium

Ralf Schönball

Difa investiert 800 Millionen - Gespräch mit Difa-Vorstand Ehrlich und Radisson-Chef WagnerRalf Schönball

Gierig ist der Kapitalmarkt, so hungrig, dass ein Haus wie das Hotel SAS Radisson an der Karl-Liebknecht-Straße nach nur 21 Jahren abgerissen wird und einem 800-Millionen-Neubau weichen muss. Neben dem Berliner Dom und bis an die Spree heran zieht der Bauherr Difa einen Gebäudekomplex mit mehr als 57 000 Quadratmetern Nutzfläche hoch. Bis 2003 soll der Neubau stehen. Anlässlich der Vorstellung des Projektes auf der Mipim in Cannes war der alte und neue Betreiber des Vier-Sterne-Hotels nicht um Superlativen verlegen: "Wenn das Hotel steht, können alle, die vor uns geöffnet haben, wieder schließen und renovieren", sagte Wolfgang Wagner, Regionaldirektor der Radisson SAS. Und Investor Jürgen Ehrlich sekundierte ihm: "Das ist weltweit ein Unikat", so der Vorstand der Difa Deutschen Immobilienfonds AG.

Spektakulär ist das Projekt, weil es sowohl den Dom als auch die Spree als Kulissen für die Bewohner der 105 geplanten Wohnungen, 408 Hotelzimmer und für die Nutzer der 28 000 Quadratmeter Büros einbezieht. So haben die Architekten zusammen mit dem Berliner Zoo ein Aquarium im Kern des Neubaus vorgesehen, und durch die Mitte des Bassins führen sie durch einen Schacht aus Acrylplatten einen gläsernen Aufzug. Da der nahtlos verschweißte Kunststoff wie eine Lupe wirkt, werden die Fahrenden im Aufzug den Fischen in die Augen sehen.

Das Element Wasser spielt auch bei der Erschließung des Blockes eine Rolle: Ein Wassertaxi soll die Nutzer des Karrees über die Spree chauffieren. Das könnte ein Anfang für eine oft versäumte, neue Ausrichtung der Stadt hin zu ihren Wasserstraßen bedeuten. Wasser krönt schließlich auch den Dachbereich des Blockes. Dort wird ein Wellnessbereich angelegt. Schwimmbad, Sauna und Fitnessbereich bekommen ein gläsernes Walmdach, das gibt den Blick frei auf den Dom. "Kuppel und Dom werden sich im Wasser des Pools spiegeln", so die Vision von Architekt Sergei Tschobau von dem Büro NPS & Partner.

Der Gebäudekomplex, in seiner Dimension vergleichbar mit dem KaDeWe, besteht aus zwei Quadraten. Diese will der Architekt wiederum durch eine Reihe von Plätzen und Straßen auflockern und unterteilen. Das hat auch kaufmännisch Sinn: Denn durch die Anlage der Innenhöfe fällt mehr Licht in das Herz des Quartiers. Es können im Erdgeschoss Läden und Restaurants öffnen. Das sichert dem Investor zusätzliche Erträge, und den Mietern erspart es die sonst in der City Ost an vielen Stellen beklagte "leblose Wüste". Scharf gerechnet hat der Investor aber auch an einer anderen Stelle: Das Grundstück wird im Vergleich zum alten Hotel 15 Meter dichter an die Karl-LiebknechtStraße und 20 Meter näher an die Spree herangebaut. Das veranlasste das Bezirksamt Mitte bereits zu der kritischen Bemerkung, wonach dieser "Bruch mit dem vor Ort üblichen Maßstab" noch ein Hindernis bei der Erteilung der bereits beantragten Baugenehmigung werden könne.

In dem Projekt finden Läden auf etwa 5000 Quadratmetern Platz. Zum Vergleich: Das KaDeWe verfügt über eine Fläche von 60 000 Quadratmetern. Über mangelndes Interesse von Mietern für die Geschäftsräume macht sich Difa-Vorstand Ehrlich keine Sorgen. Er verweist auf seine Erfolge bei der Vermietung des neuen Kranzler-Ecks am Kurfürstendamm. Dort sei, von wenigen Läden abgesehen, nichts mehr zu haben, obwohl das Gebäude noch nicht fertiggestellt ist. "Und was habe ich mir nicht alles anhören müssen, als wir das Konzept mit der Vogelvolière vorgestellt haben", sagt er rückblickend. Nicht nur in dieser Hinsicht stand das Kranzler-Eck Pate für das Konzept des neuen, etwas sperrig "Domaquar...e" titulierten Großprojektes. Auch die Ladenstraßen innerhalb des Blocks sowie die Vermarktung der Immobilie mit einem "Thema" haben die zwei Difa-Projekte gemeinsam: Am Kudamm entsteht eine Volière, am Dom das 18 Meter hohe Aquarium.

"Wir müssen jede Gelegenheit wahrnehmen, wir müssen investieren", sagte Difa-Vorstand Ehrlich dem Tagesspiegel. Die offenen Immobilienfonds stehen unter Druck, das reichlich auf ihre Konten fließende Kapital von Anlegern wieder zu investieren. Offene Fonds sind per Kreditgesetz verpflichtet, einen großen Teil ihres Anlagevermögens in Immobilien zu investieren und verzeichneten beim Mittelaufkommen 1999 ein Rekordjahr. Während dem Projekt am Kudamm bei seiner Vorstellung mit Bier und Bouletten zur Mipim 1999 noch wenig Chancen eingeräumt wurden, sehen heute Marktexperten dort gute Chancen für hohe Mieten. So sind dieses Jahr bei der Lancierung des neuesten Difa-Großprojektes in Berlin alle Beobachter eher optimistisch. So zuversichtlich, dass Baumogul Roland Ernst der Difa am Stand seine Aufwartung machte. "Um den Bauauftrag abzugreifen", so munkelte man. Bekanntlich musste Ernst infolge von Fehlspekulationen seine Eigenständigkeit aufgeben. Mit seiner neuen "Gruppe Adler" hofft er nun auf neue Chancen.

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