Zeitung Heute : Im Auge der Nacht

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WEISSES RAUSCHEN

Man muss sich das so vorstellen: Es ist Nacht, tiefe Nacht, Langeweile kommt aus Salt Lake City, ein Filmchen über den Salzgehalt des Salzsees, Waldemar Hartmann duzt Biathleten, Marianne Kreuzer mutiert optisch zunehmend zu Waldemar Hartmann, Eisschnelllauf steht auf dem Programm, Müdigkeit breitet sich aus. Und da steht sie. Im blauen Gewand. Und redet. Was sie redet, ist erst einmal zweitrangig, weil sie guckt. Guckt einen an mit großen, braunen Augen, Maischberger-Augen, und die Müdigkeit verfliegt und Eisschnelllauf wird spannend, weil Franziska Schenk guckt.

Franziska Schenk, Fachfrau der ARD, ist die Mutter aller Eisschnelllauf-Models, hat Gunda Niemann-Stirnemann sozusagen geboren, natürlich auch Anni Friesinger – und den Zicken- Alarm ums Eis-Oval dazu. Inzwischen werden ja Oberweiten vermessen (nicht vom Fernsehen, das besorgt die „Bild“ schon noch selber), und Juristen bemüht, um herauszufinden, wer denn nun die schönste, sexieste, charmanteste, eloquenteste Frau auf dem Eis ist (gerade so, als wenn sich die Frage wirklich stellen würde.)

Ho, ho, nein, nein, es gibt nicht nur die Unterschiede, die die männliche Betrachtungsweise feststellt, es gibt auch hehre, puristische, journalistische gar. Journalistin ist Franziska Schenk, zumindest scheint sie ihren Auftrag bei Olympia in Utah so zu verstehen, und nicht als Staffage mit Insiderwissen. Die Kollegin mit den vielen Namen verfügt gewiss über letzteres, und das teilt sie auch mit: „In der Kurve kommt es darauf an, einen Fuß vor den anderen zu setzen.“ Das weiß man ja sonst nicht.

Franziska Schenk hat in der Nacht zum Montag etwas anderes gemacht, nämlich ein kleines Eishäuflein vor sich gelegt und eine Geschichte erzählt. Die fing damit an, wie das Eis aufs Eis kommt, wie es gehärtet wird, warum es extreme Schnelligkeit erlaubt. Und sie ging weiter mit einem deutschen Trainer, der ebensolche Eishäuflein sammelt, sie auftaut, das auf diese Weise gewonnene Wasser analysiert, um so hinter das Geheimnis von Eisschnelllauf-Weltrekorden zu kommen. Die großen, braunen Augen haben dabei geschmunzelt. Gerne hätten wir noch weiter zugesehen, aber dann kam Marianne Hartmann. Helmut Schümann

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