Zeitung Heute : Im August öffnet der China-Club

Der Tagesspiegel

Von Bernd Matthies

Der Eröffnung des „Adlon-Palais“ Ende August soll dem Luxushotel neue Impulse und eine Erhöhung der Auslastung um drei bis sechs Prozentpunkte bringen. So hofft es jedenfalls der Direktor des Hotels, Jean van Daalen. Das Palais soll, wie berichtet, im Neubau an der Behrenstraße entstehen und ein Konferenzzentrum mit einem italienischen Bar-Restaurant aufnehmen, ein Café und den nur für Mitglieder zugänglichen „China-Club“. Das Gebäude wird nur im ersten Stock mit dem Hotel verbunden sein. Der Rohbau, den Direktor Jean van Daalen gestern vorstellte, ist bereits recht weit vorangeschritten. Gegenwärtig wird an der Installation der Klimatechnik gearbeitet.

Einige Wochen zurück liegt man lediglich bei der Fassade, deren endgültiges Aussehen der Architekt Günter Behnisch noch nicht festgelegt hat. Das Hotel teilt sich den Eingang mit dem rückwärtigen Zugang der neuen Akademie der Künste, deren seitliche Front zusammen mit dem Adlon auch einen neuen Innenhof bildet.

Die kulinarischen Eckpunkte sind ebenfalls gesetzt. Das Restaurant „Felix“ im Untergeschoss soll „modernes Design und mediterran- internationale Küche, szenigen Bar-Charakter und DJ-Musik“ vereinen. Küchenchef Gianluigi Bonelli hat im „Don Alfonso“ bei Neapel gearbeitet, das jahrelang eines der zwei Drei-Sterne-Restaurants in Italien war, zuletzt war er im Stanford International in Hongkong tätig. Ein Michelin-Stern sei aber nicht das vorrangige Ziel, sagte van Daalen. Man erhoffe sich vor allem Gäste, die den kulinarischen Genuss mit einem anschließenden Barbesuch verbinden wollen, „ und da gibt es in Berlin noch eine Lücke“. Für den China-Club – Aufnahmegebühr 10000 Euro, Jahresbeitrag 1500 Euro – hat man sich den in London arbeitenden Chinesen William Lee als kulinarischen Berater gesichert.

Im laufenden Jahr will das Hotel selbst rund zwei Millionen Euro für Neuinvestitionen ausgeben:Vorgesehen ist der Ausbau der Sonnenterrasse, die sich auch auf einen Teil des Mittelstreifens Unter den Linden erstrecken soll, außerdem eine Neugestaltung der regional orientierten „Adlon-Stube“ und eine Öffnung des Empfangsbereichs zum Schwimmbad. Ebenfalls noch nicht aufgegeben ist der Plan, vor dem Haupteingang einen Baldachin zu errichten. Nach fünfjährigen Verhandlungen mit dem Land und dem Bezirk Mitte steht gegenwärtig eine Version zur Debatte, die über 13 Meter von der Fassade bis zum Straßenrand reicht.

Das Jahr 2001 schloss das Adlon mit einem Gesamtumsatz von 67,1Millionen Mark ab, dem zweithöchsten seit seiner Eröffnung 1997. Das bedeute schwarze Zahlen mit einem Nettogewinn von einer halben Million Mark, wie van Daalen sagte. Im Rekordjahr 2000 hatte man 70,8 Millionen Mark umgesetzt, von denen netto eine runde Million übrig geblieben war. Dieser Umsatz entfiel zu 51 Prozent auf die Zimmer, zu 34 Prozent auf Gastronomie. 110000 Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr gezählt, jeder Gast blieb durchschnittlich 1,8 Tage. Bei 336 Zimmern beschäftigt das Hotel 490 Mitarbeiter, davon 87 Lehrlinge. Es liegt gemessen am Umsatz an fünfter Stelle aller deutschen Hotels.

Van Daalen sprach von einem „tumultreichen Jahr“ 2001. Nach einem schlechten ersten und einem hervorragenden zweiten Quartal hätten die Ereignisse vom 11.September alle Hoffnungen auf einen neuen Rekord zerstört. Die Flaute dauerte bis Mitte November, und die Belegung sank dadurch gegenüber 2000 von 67 auf 59,2 Prozent. Der durchschnittliche Zimmerpreis stieg dagegen von 506 auf 549 Mark. Die Zahlen für Januar und Februar 2002 seien sehr gut, sagte van Daalen, Fragezeichen gebe es dagegen beim Buchungsstand für das zweite Quartal. Gut entwickelt hat sich das Luxusrestaurant „Lorenz Adlon“, das seinen Umsatz nach der Vergabe des Michelin-Sterns um etwa zehn Prozent steigern konnte.

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